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Anstrengungen und Mückenschwärme

Evas Reise geht weiter – zur Einstimmung ein kleines Video, welches zeigt, das auch die Pferde eine Pause genießen zwischen den Reitetappen. Sie dösen und lassen sich den Wind durch die Frisur streichen…

„Unser Haus am Fluss hat ein Bettenlager mit genügend Platz für jeden, da die Matratzen sehr breit waren. Heute Morgen habe ich mich am Fluss gewaschen. Das Wasser war eiskalt! Aber es tat sehr gut. Wenn nur die Mücken nicht wären, ich war gleich sehr umschwärmt und so kehrte ich flott zum Haus zurück.

Einen kurzen Abstecher habe ich aber doch noch zu den Pferden gemacht. Da ist ganz schön Bewegung auf der Weide, wahrscheinlich machen die Mücken sie auch kirre. Jetzt gibt’s gleich Frühstück, der Rest der Gruppe ist noch nicht in Bewegung gekommen. Um 9 Uhr ist Abreiten. Ich bekomme Blakur, einen großen dunkelbraunen Wallach, mit herrlichem Tölt und butterweichem Galopp. Der Start mit der Herde verlief nicht ganz so einfach. Es gestaltete sich heute schwierig, die Herde hinter der ersten Gruppe zu halten. Unsere Guides hatten die ganze Zeit über damit zu tun, die Pferde an zu treiben. Manche bogen zur Seite ab und liefen in die falsche Richtung, sie mußten dann wieder auf den Weg gebracht werden. Vereinzelt kam es auch vor, dass ein Pferd einfach wieder zurück lief. Unser erster kurzer Stop war vor der herrlichen Kulisse des Vulkans Hekla. An dieser Stelle hielten auch mehrere Autos an, um uns zu fotografieren. Wir sind eine Attraktion!

Tag 2 Island D

Mittags wurden die Pferde in einen Pferch getrieben, von dem ganzen Staub auf der letzten Strecke sahen manche Mitreiter aus wie Rumpelstielzchen. Es gab leckeren Lammeintopf von gestern.

Lecker Lammeintopf von gestern - aufgewärmt schmeckt er noch besser als beim ersten Mal.

Lecker Lammeintopf von gestern – aufgewärmt schmeckt er noch besser als beim ersten Mal.

Auf dem Weg hierher machte sich zum ersten Mal mein Allerwertester bemerkbar. Irgendwie fing es an zu scheuern am Steißbein, vermutlich von der Naht des Ganzlederbesatzes. Nach der Mittagspause wechselten wir wieder die Pferde. Dieses Pferd war zum ersten Mal unbequem, der Tölt war holperig und auch der Schritt war nicht so angenehm. Mit den drei Pferden zuvor war ich besser klar gekommen. Vor uns breitete sich ein langes Lavafeld aus. Die Herde wirbelte sehr viel Staub auf, der sich auf unsere gesamte Klamotten und auf unseren Gesichtern niederließ.

Tag 2 unterwegs

Mein Pferd stolperte viel und irgendwann wurde ich auch ganz schön müde. Ich schloss die Augen und war ein paar mal kurz vorm Sekundenschlaf. Manchmal wankte ich ganz schön zu einer Seite. Aber ich verließ mich auf mein Pferd! Als wir im Lavafeld Pause machten, sah man auch einige Pferde dösen, sie waren ebenfalls erschöpft.

Am Ende das Lavafeldes erwartete uns ein ziemlich breiter Fluß, über den eine Holzbrücke führte. Ich bekam Zweifel, ob die Pferde die Brücke überqueren würden. Aber die ganze Herde meisterte auch dies wieder völlig problemlos. Die Pferde sind einfach toll!

Kurze Zeit später folgte noch einmal eine Pause und ich rief Nonni, da mein Pferd sehr müde war und ich es dauernd antreiben musste. Kein Problem, wir hatten ja genug Pferde zum Wechseln dabei! Er brachte mir kurz darauf einen großen, dunkelbraunen Isländer. Nonnis Worte dazu: „I will give you a really good horse. A limousine.“ Dabei rollte er das „R“ bei dem dem Wort „really“ so Isländertypisch. Ich höre die Isländer sehr gerne reden, sowohl isländisch als auch englisch. Und dieses Pferd hatte wieder einen angenehmen Gang. Nach dieser großen Runde kam endlich wieder unsere Hütte in Sicht. Die Pferde kamen auf die Weide, sogleich wälzten sie sich und es gab Heu für alle.

Die Pferde genießen ihr Heu nach dem langen Ritt.

Die Pferde genießen ihr Heu nach dem langen Ritt.

Kurzes Kaffeetrinken, es gab wieder sehr leckeren Kuchen und Obst. Also, zu Essen gibt es hier wirklich reichlich. Die Reithose sitzt schon bedenklich eng. Das eine Kuchenrezept muss ich unbedingt noch von Stefan, unserem Koch, erfahren. Stefan läuft übrings immer mit Häkelmütze, dicker Jacke und Flip Flops herum. Sehr seltsam. Aber er kocht wirklich begnadet und hat immer gute Laune.

Nach dem Essen packte ich meinen Rucksack und lief los. Hinter unserem Haus war ein Fluss und ich suchte mir eine Stelle zum Baden. Das Bad war unbeschreiblich! Das Wasser war wieder so kalt, das mir teilweise kurz die Luft wegblieb, aber auch herrlich erfrischend, nach dem ganzen Staub heute. Niemand außer mir war hier.

Tag 2 Island A

Also schlug ich nur das Handtuch um mich und lief barfuß weiter. Fantastisch! Links von mir eine schier unendliche Ebene und ein sonnenklarer Himmel über dem Hekla. Ein unbeschreiblich schöner Ort, soviel Weite um mich herum, keine Menschen, keine Strassen, ich fühlte Freiheit…. ein paar Tränen flossen dann plötzlich. Für ein paar Minuten, nachdem ich mich wieder angezogen hatte, setzte ich mich an meinen Rucksack gelehnt ins Gras und genoss diese Sicht. Sie wird auf immer in meinem Gedächtnis bleiben.

Eigentlich wollte ich dann wieder zurück laufen, aber der Blick nach rechts auf den Berg zog mich in seinen Bann. Ich wollte da hoch laufen und sehen, was sich dahinter für ein Bild eröffnet. Vielleicht eine weitere Ebene. Der Gedanke trieb mich mit viel Kraft vorwärts und ich lief den Berg locker hoch, obwohl ich schon mehrere Stunden des anstrengenden Rittes hinter mir hatte. Auf dem Weg nach oben kamen mir Gedanken, ob es wohl schon Abendessen gibt und ob sie mich vielleicht schon vermissen. Ich hatte keine Uhr, wusste nicht, wann ich losgelaufen war und schon gar nicht, wie lange ich überhaupt schon unterwegs war. Egal, ich verdrängte die Gedanken. Ich wollte da hoch! Leider war da oben keine neue Ebene, die sich vor mir eröffnete und so lief ich trotzdem, weil ich nicht nachgegeben hatte, gutgelaunt und voller Tatendrang wieder zurück. Auch wenn ich nicht das gesehen hatte, was ich erhofft hatte, war ich trotzdem froh und glücklich, dem Gefühl gefolgt zu sein. Unten am Haus angekommen legte ich mich einige Minuten auf mein Bett und schloss die Augen. Das tat so gut! Ich war noch nicht so müde, dass ich schlafen wollte, einfach nur kurz ruhen und die Augen schließen.

Tag 2 Island B

Im Hintergrund hörte ich meine Mitreiter aus Schweden lachen, die sich ihre Erlebnisse vom Tag erzählten. Dann gab es Abendessen. Stefan hatte wieder so lecker gekocht. Kabeljau gedünstet in Zitronen-Salzwasser, Limetten kommen noch dazu und Lorbeer sowie etwas Weißwein oder Pernod, das Ganze bei 38 Grad ca. 40 Minuten in den Ofen. Dazu gebratener Fenchel in Streifen geschnitten, Meerrettichsoße und Reis. Eigentlich wollten wir nach dem Essen nochmal rausgehen, aber draußen pfiff ein ordentlicher Wind, es war richtig kalt geworden. Nach einer heißen Dusche kuschelte ich mich lieber auf mein Bett und schrieb meinen Tages-Bericht. Stefan hatte mir noch das Kuchenrezept verraten (leckerer Kuchen mit Marmelade) und auch das Rezept für das Zimt-Nelken Brot, was er immer auftischte. Das wollte ich morgen aufschreiben. Für heute hatte ich genug erlebt.“

Pony Gähnt Tag 2

Was für ein ereignisreicher Tag! Es macht Spaß, dieser Reise zu folgen.

Alles Liebe,

Claudia

 

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