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Ich bin Unternehmerin

Heute mache ich mal Eigenwerbung. Ich schreibe über mich und wie es dazu kam, daß ich Unternehmerin wurde  – denn das bin ich seit 12 Tagen. Ich habe ein Unternehmen gegründet, wie das klingt. So nach börsendotiert und groß. Nein, es ist ein kleines Ein-Frau Unternehmen. Eines, welches zwei Geschäftsbereiche in sich vereint. Aber von Anfang an.

Nachdem mein befristeter Arbeitsvertrag von meinem letzten Arbeitgeber nicht verlängert wurde, wie übrings der ebenfalls befristete Vertrag von dem Arbeitgeber davor auch, war ich kurz vor Weihnachten ohne Erwerbstätigkeit – arbeitslos. Arbeitsuchend klingt auch nicht viel besser. Da habe ich immer so ein Bild vor Augen, wie Menschen auf der Straße mit dem Kopf nach unten den Boden nach geeigneten Jobs absuchen. Was ist denn ein geeigneter Job? Man sollte auch meinen, mit meinem Portfolio wäre es nicht so schwierig, einen Job zu finden. Aber wie sich herausstellen sollte, war es das doch.

Mit zwei Kindern im Alter von 10 und 12 Jahren, alleinerziehend, als Frau und dann noch Management-Qualitäten – das beißt sich in der heutigen Jobwelt. In die Realität übertragen sieht das so aus: Zunächst wurde ich gar nicht zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Dann ließ ich auf den Rat einer Headhunterin die Kinder im Lebenslauf weg. Und siehe da, ich wurde eingeladen. Interessant, nicht wahr? Aber auch beschämend – man muß seine Kinder verleugnen, damit man als Kandidatin überhaupt in Frage kommt. Die Gespräche liefen super. Die Jobs bekam jeweils ein anderer.

Ich wurde unsicher, fragte mich, was lief verkehrt? War es wegen mir? Wegen der Kinder? Sind Kompetenz, Kreativität, Motivation, Erfahrung, Wissen, Neugier, Auslandserfahrung, Mehrsprachigkeit, Flexibilität und Führungsqualitäten nicht mehr gefragt? Wenn man mal Faktoren wie den Standort in Nordhessen und den Stellenmarkt als gegeben nimmt, bleiben trotzdem noch freie Stellen übrig, die besetzt werden müssen und die auch besetzt werden – aber nicht mit mir.

Ich schraubte meine Gehaltsvorstellungen herunter, optimierte meine Bewerbung, erweiterte die Kilometer zum Wohnort, schrieb Gesuche, ließ mich coachen, machte eine Fortbildung, coachte mich selbst, nutze Social Media, fragte mich durch den Bekanntenkreis, wärmte Beziehungen auf, bewarb mich auf alles, was nur entfernt mit meinem Arbeitsgebiet zu tun hatte. Ganztags, befristet, halbtags, individuell, genormt, öffentlicher Dienst, privat, als Praktikum, als Schwangerschaftsvertretung…  So nach der 49. Absage war ich dann sehr müde. Und sehr wütend. Denn von einigen Unternehmen kam gar nichts zurück. Keine Absage, keine Zusage, einfach überhaupt keine Nachricht. War ich nicht mal eine Absage wert? Die Absagen, die kamen, waren mit dem üblichen Schreiben versehen. Ich war frustriert und ratlos. Es ist nicht so einfach, wenn man zuhause sitzt mit seinem Wissen und seiner Erfahrung  – die aber offensichtlich keiner will.

Ich hatte natürlich schon gehört, daß die wenigen Frauen, die mit Kindern im Marketing arbeiten, Angst haben um ihre Jobs. Teilzeit? Nicht mal dran denken. Sie hetzen sich ab, reiben sich auf – eine Bekannte hatte aufgegeben. Bei einem Arbeitstag und mit zu 12 Stunden Arbeitszeit und drei Kindern. Andere kriegen erst gar keine Kinder. Oder hatten bereits vor der Geburt der Kinder eine höhere Position, in die sie kurz nach der Geburt Vollzeit wieder einsteigen.

Was wirklich dahinter steckt? Das ist kaum zu erfahren. Ich dachte über mein Alter nach: Kann das sein? Man wird doch tatsächlich als nicht mehr so flexibel und lernwillig eingestuft. Gerne werden Frauen „in meinem Alter“ auch als krankheitsanfälliger und weniger leistungsbereit bewertet. Zu hohe Gehaltsvorstellungen? Möglich. PR und Social Media werden immer noch dem Praktikanten aufs Auge gedrückt. „Das bißchen Facebook kann der doch mitmachen. Überhaupt, braucht unser Unternehmen so was?“

Zudem erhalten die Mädels, die halb so alt sind wie ich, auch nur halb soviel Lohn. Erfahrung und Kompetenz? Nicht so gefragt – hauptsache günstig für den Arbeitgeber. Sehr gerne auch in Kombination mit Befristung. Meine Kinder: Ja, das wird in der Welt der Werbung und im Marketing gar nicht gerne gesehen. Männer und Frauen ohne Kinder werden definitiv bevorzugt bei den Bewerbungsgesprächen. Der Inhaber einer Werbeagentur, bei dem ich mich vorstellte, meinte nur: „Wieso wollen Sie sich denn das antun?“ Ich hatte es gewagt, mich als Projektleiterin zu bewerben. Vielleicht wollte ich mir das antun, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, Spaß und Erfolg mit meiner Arbeit zu haben und mich kreativ für sein Unternehmen einzusetzen?

Ich arbeite gerne! Zudem habe ich ein Netzwerk, was die Betreuung der Kinder regelt, wenn ich beruflich eingespannt bin. Aber das hat der Werbemensch wohl irgendwie nicht verstanden. Die Stelle, die er zu vergeben hatte, war gerade „schwanger“ geworden… Wir brauchen mehr Unternehmer, die den Mut haben, Mütter einzustellen.

Wieviel Wissen und Kompetenz sitzt ungewollt zuhause in diesem Land, weil es die Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft nicht auf die Reihe kriegen wollen? Wieso eigentlich? Na, es geht doch prima auch so. Und wenn es uns nicht gelingt, den Schalter in den Köpfen der Unternehmer und Politiker umzulegen, welche die Rahmenbedingungen vorgeben, dann wird der Spalt so groß zwischen Armut und Wohlstand, daß wir ihn nicht mehr kitten können. Die Maßnahmen, die bisher getroffen wurden, reichen nicht aus!

Diejenigen, die politisch am Hebel sitzen und Vortöße wagen, schlagen sich regelmäßig am Widerstand der alten Garde die Köpfe blutig. Dazu verdienen Frauen immer noch weniger als Männer für exakt die gleiche Arbeit – meine Miete wird wie selbstverständlich erhöht, die Strompreise steigen, die Lebenshaltungskosten auch…das Lohn-Niveau aber sinkt, es gibt immer weniger Geld für mehr Arbeit, die geleistet werden soll.

Ich habe mal meine beiden Freundinnen in Dänemark zu der Situation befragt. Die waren ganz erstaunt, beide haben jeweils drei Kinder. In Dänemark wird man eher komisch angeschaut, wenn man als Mama nicht arbeitet. In Deutschland muß man sich immer noch dafür verteidigen, wenn man als Mama arbeitet. Freiwillig. Oder weil man sich den Lebensunterhalt verdienen muß und will.

Wäre ich mal Bäcker oder Metzger geworden. Die sind gerade sehr gefragt. Da ich aber besser Brötchen zeichnen als backen kann und der Metzger durch das frühe Aufstehen auch nicht Kinderkompatibel ist, scheidet das jetzt einfach aus.

Was also tun? Es nützt nichts, zu Jammern oder auf die böse Jobwelt zu schimpfen, die einen nicht einstellen will. Zwischenzeitlich hatte ich die „Erste-Etage-Links“ ins Leben gerufen, ein guter Schritt, denn ich mag es nicht, Nichts zu tun. Ich bin immer schon eine Macherin, ich kann schlecht still sitzen. Aufgrund meiner Erfahrung weiß ich: Es geht immer weiter, auch wenn es gerade ganz bescheiden aussieht, und so suchte ich nach Alternativen. Nicht arbeitsuchend, den Kopf runter am Boden, sondern voller Energie, stolz den Kopf hoch: Hier bin ich, ich weiß was ich kann und setze mich dafür ein – ja, und das in meinem Alter! Mein Arbeitsberater schlug mir dann die Selbstständigkeit als Alternative vor. Ich hatte zuvor einen viermonatige Fortbildung in Vollzeit zum Social Media PR Manager gemacht und diese mit der Note 1 abgeschlossen – Balsam für meine verunsicherte Arbeitsseele. Der Bereich hatte mir gefehlt in meinem PR- und Marketing Portfolio, ich war begeistert!

Die Selbstständigkeit war mich nicht fremd, ich hatte im Laufe meines Lebens bereits Unternehmerluft geschnuppert. So begann sich eine neue Perspektive zu entwickeln, mit Elan stürzte ich mich in die Vorbereitungen. Zwei Ideen blieben nach dem Ende der Vorüberlegungen übrig: Ordnungscoaching und Social Media. Da waren meine Talente alle gebündelt gefragt. Und nachdem ich eine Weile Hin und Her überlegt hatte, was soll es denn jetzt werden, meinte meine beste Freundin lapidar: „Mach‘ doch Beides.“

Das war die Geburtsstunde für mein Unternehmen. Es war mein 50. Impuls. Es heißt, man benötigt 50 Impulse, bis man sich an die Veränderung  herantraut, die man mit sich im Kopf herumträgt. So wie es die wunderbare Sabine Asgodom in ihrem Buch „Raus aus der Komfortzone – rein in den Erfolg“ beschreibt. Das Buch kannte ich inzwischen auswendig, unzählige Male hatte ich mich durch die Kapitel gearbeitet und ständig vor mich hingemurmelt „Ja, das will ich auch, genauso ist es“. Ich kann die Lektüre nur empfehlen für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr eigenes Business zu gründen.

Mein Unternehmen hat zwei Geschäftsbereiche: Die „Liebe Ordnung“, für die ich meine Dienste als Ordnungscoach und Hilfe beim Struktur-Finden, Aufräumen und Entrümpeln anbiete. Und die „Guten Morgen Media Group“, die sich mit dem Thema Social Media für kleine und mittelständische Unternehmen befasst.

Mal schauen, wie sich die beiden Bereiche entwickeln. Ich bin gespannt und voll motiviert! Wer sich für meine Angebote interessiert oder Fragen dazu hat, kann sich gerne direkt an mich wenden: claudia@erste-etage-links.de.

Ich wünsche Euch einen wunderbaren Dienstag!

Alles Liebe,

Claudia

 

 

 

8 Kommentare

  1. Georg Ohrwelle sagt

    Flüssig geschrieberner Text, geht runter wie Öl. Wünsch Dir alles Gute und viel Erfolg.

  2. Frieda sagt

    Selbst ist die Frau! Nicht erst um Erlaubnis fragen, sondern einfach machen. Du wirst bestimmt eine gute und vor allem gut vernetzte Unternehmerin. Deutschlands Zukunft wird von innovativen Menschen wie Dir gemacht, nicht von grossen Firmen, die schon von ihrer Struktur her viel zu langsam auf die digitalen Herausvorderungen unser Zeit reagieren.

  3. Susann Lentz sagt

    Liebe Claudia,
    Deine Seite ist klasse! Bin über die Donna drauf gestoßen, Schön geschrieben, tolle Fotos, super Ideen!
    Und die zu haben ist in solch eine Lebenslage nicht leicht. Ich weiß, wovon ich rede….
    Bin noch viiiieel älter als Du : ), nämlich mittlerweile 59 Jahre, oh, je…
    Meine alte Arbeit konnte ich nicht wieder aufnehmen, habe früher auch für so schöne Zeitschriften gearbeitet, allerdings im Kreativbereich, kaum Text. Nachdem ich mit Ende 49 meinen Mann verließ, Kind unter den Arm und fort mit Sack und Pack, konnte ich nach so vielen Jahren nicht mehr im alten Leben andocken. Warten tut niemand dort auf einen. Mittlerweile habe ich mir eine neue Existenz aufgebaut, wenn auch etwas ganz anderes, im Kaufmännischen. Da ich schon so viel älter war, hat bei mir leider das Arbeitsamt keine Hilfe leisten wollen, geradezu bösartige Zyniker und von Steuergeldern bezahlt…. Egal, ging auch ohne sie. Aber: „Pimp your Lebenslauf“. In der Tat raus mit Kindern und Alter, komplett aus allem! Schönes Foto und ran an den Text – leider geht es nicht anders. Erst dann habe ich es geschafft, manchmal auch nicht. Nun hoffe ich, dass es so weiter geht, selbst ist die Frau. Vielleicht gelten in Deutschland Kinder nicht viel, ich weiß nicht, woran es liegt. In anderen Ländern geht es offenbar besser, auch mit Kinderbetreuung. Meine Tochter war daher leider oft sehr alleine. Aber nun lernt sie auch einen „kauffräulichen“ Beruf im Marketing wie Du. Vielleicht haben es die Kinder durch die veränderte Arbeitslage einmal besser, hoffentlich!
    Toll, weiter so, ich lese mehr ; )
    Viele Grüße, Susann

  4. Sandra sagt

    Ich mache die gleiche Erfahrung – auch ohne Kinder. Über 40 oder 45 zu sein – im Bereich Marketing, Online-Redaktion, Content-Management – bedeutet, nicht eingestellt zu werden. Wie haben sich deine unternehmerischen Projekte denn entwickelt?

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