Stil
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Was ist guter Stil?

Wie Ihr wisst, liebe ich es, in Cafés zu sitzen. Was ich neben Kaffee trinken und Kuchen essen noch mache? Na klar, Leute gucken! Das ist doch das Allerbeste! Kleider machen Leute, heißt es. Wer sich schon mal mit dem Thema „Wahrnehmendes Beobachten“ beschäftigt hat, der weiß: Beobachten ist immer subjektiv. Wir sind niemals objektiv, wir bewerten, wir schätzen ab, wir überlegen, welche Geschichte steckt hinter diesem Menschen oder dieser Persönlichkeit. Schnell haben wir ein Urteil parat, geprägt durch unsere Werte und Normen und durch unsere Erfahrungen. Und ja, auch unser persönlicher Geschmack entscheidet, was wir mögen oder wo sich das Auge beleidigt abwendet und wir denken, das geht ja gar nicht.

Manchmal entdecken wir eine Person, wo wir denken, wow, die hat aber Stil! Was ist denn nun guter Stil? Zahllose Ratgeber wollen dazu die ultimative Antwort geben und in so ziemlich allen Zeitschriften werden regelmäßig die zehn Teile angepriesen, die Mann oder Frau besitzen muß, um sich möglichst stilvoll zu kleiden.

Klassiker der Filmgeschichte: Der beige Trenchcoat

„Zeitlos elegant“, „Das können Sie immer tragen“, „Klassiker“, … die Liste der Attribute ist endlos. Nur macht ein „Klassiker“ noch keinen guten Stil. Nehmen wir mal das Beispiel Trenchcoat. In beige, selbstredend. Humphrey Bogart trug ihn in „Casablanca“. Was wäre Peter Falk in der Rolle des legendären „Inspektor Columbo“ ohne seinen Trenchcoat gewesen? Aber ein Trenchcoat macht aus einer Person noch keine Stilikone. Ich sehe darin beispielsweise aus wie eine noch nicht fertig gegarte Frühlingsrolle, die in der Mitte zusammengebunden ist.

Also nix Audrey Hepburn – die trug ihn auch zum Frühstück bei Tiffany. Ich mag den Stil von Audrey: die etwas zu groß geratenen Sonnenbrillen, das Nickituch, knöchellange 7/8 Hosen und flache Ballerina Schuhe. An ihr sah das klasse aus, sie gilt auch heute noch als Stilikone. Und da sind wir auch gleich beim „kleinen Schwarzen“: Das „Kleine Schwarze“ gilt als Inbegriff von Eleganz und Stilbewußtsein, seit Coco Chanel in der VOGUE 1926 den Entwurf eines schwarzen Etuikleides präsentierte.

Jugendliche Modeirrtümer

Zu meinem 18. Geburtstag wollte ich auch so ein Kleid. Meine Mutter hat mir eins genäht, aus schwarzem Pannesamt, mit langen Ärmeln. Dazu trug ich lange Straßohrringe. Aus heutiger Sicht hätte ich damit prima auf jede Beerdigung gehen können – Schwarz macht mich ungefähr so blass als ob ich nach vier Wochen Grippe wieder unter die Leute kann. Es steht mir einfach nicht.

Somit lässt sich auf jeden Fall sagen: Nicht jedem stehen sogenannte Modeklassiker. Stilempfinden ist auch nicht angeboren, sondern entwickelt sich mit den Jahren. Zuerst bestimmen unsere Eltern, was wir tragen. Spätestens in der Pubertät wählen wir dann genau die Klamotte, die unsere Eltern die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lässt. Wenn ich mir die Mädels heute so anschaue, sieht die aktuelle Pubertätsuniform in etwa so aus: Lange glatte Haare, Mittelscheitel, Skinny Jeans, übergroße schwarze Tasche überm Arm, Sneaker, grauer Hoody. Bloß nicht aus der Reihe tanzen, das Markenbewußtsein ist sehr ausgeprägt und wird durch Social Media ordentlich gepuscht. Konformität statt Individualität.

Erst danach kristallisiert sich heraus: Entwickle ich Stil? Was steht mir und was nicht? Kleide ich mich nach meiner momentanen Stimmung oder ziehe ich das an, wovon andere behaupten, es hätte Stil? Vielleicht ist mir das morgens vor dem Kleiderschrank auch egal, ich will nicht wirken, ich will einfach nur irgend etwas anziehen?

Stil als Ausdruck der Persönlichkeit

Doch egal, was wir tragen, es wirkt. Manchmal unfreiwillig komisch, oft seriös, gelegentlich unpassend, häufig auch gewollt und nicht gekonnt. Meistens passt es ja irgendwie, wenn man Berufskleidung mal ausnimmt. Und dann gibt es da diese „Wow!“ Momente, wenn jemand ein Café betritt. Und das hat nicht nur mit der Kleidung zu tun, es ist die Haltung, die diese Person ausstrahlt. Wenn jemand seinen Stil gefunden hat und diesen selbstbewußt trägt, dann hat das eine durchschlagende Wirkung. Und das ist nicht abhängig von der Figur! Ob weibliche Rundungen oder schlanke Statur, kleine Füße oder große, Sophia Loren Brüste oder A-Körbchen – richtig verpacken und authentisch präsentieren. Das fällt vielen Frauen sehr schwer. Beladen mit dem gängigen Schönheitsideal, dem man möglicherweise nicht entspricht, filtergeschwängert durch Instagram, gepaart mit den oft unschönen Erfahrungen der Kindheit und Jugend sucht man verzweifelt nach dem eigenen Stil. Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Stil ist keine Frage des Alters

„Mode ist vergänglich. Stil niemals“. Dieser Satz stammt von der großen Coco Chanel. Wenn man das Wirken der New Yorker Stilikone Iris Apfel verfolgt, kommt man zu dem Schluß, das Stil auch keine Frage des Alters ist. Iris Apfel ist 1921 geboren und arbeitet jetzt mit weit über 90 äußerst erfolgreich als Unternehmerin und Interiordesignerin. Als ihre Karriere als Model durchstartet, ist sie schon über achtzig.

Fazit: Ich bin was ich trage – und wie ich es trage! Kopf hoch, Brust raus – gut, das hilft bei einem Cindy aus Marzahn Outfit in pink jetzt auch nur bedingt weiter – aber das Ding mit der Haltung ist schon mal die halbe Miete.

Wenn wir von innen nach außen strahlen, selbstbewußt auftreten und uns so zeigen wie wir sind – zusammen mit einem Kleidungsstil, der zu uns passt und unsere Vorzüge betont – dann ist das ein ziemlich guter Stil!

Was ist Dein Stil? Hast Du ihn gefunden oder bist Du auf der Suche?

Alles Liebe,

Claudia


2 Kommentare

  1. Frieda P. sagt

    Manche haben keinen, manche haben ihn nur manchmal und andere gehen nie ohne. Macht nichts. Ich trage was mir gefällt. Das macht die großen Modehäuser nicht glücklich, aber ich lasse mir meinen Stil nicht mehr vorschreiben. Und jedes Jahr neue Klamotten kaufen passt nicht mehr in diese Zeit.

  2. Leah sagt

    Ich finde den Abschnitt „Jugendliche Modeirrtümer“ besonders gut, weil die meisten Jugendlichen nur nach dem neuesten Trend gehen, um dazu zu gehören. Dabei finde ich es viel besser, seinen eigenen Stil zu haben, um aus der Menge herauszustechen. Außerdem finde ich es wichtig, seinen Stil auch gut verkörpern zu können. Einfach nur hübsch kann jeder sein, aber was dahinter steckt und die Ausstrahlung ist meiner Meinung auch die halbe Miete.

    Liebe Grüße,
    Leah

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