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Warum ich laufen muß

Mein Atem geht regelmäßig, meine Füße machen einen Schritt nach dem nächsten. Ich spüre die frische Luft im Gesicht, es ist früh am Morgen. Die Sonne geht gerade auf, und kleine Äste knacken unter meinen Schuhen. Obwohl es erst Februar ist, sind die Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Die ersten Vögel sind schon wach. Es duftet nach Erde und nach Wald. Ich liebe es, früh morgens unterwegs zu sein – am Liebsten laufend.

Laufen erdet mich, bringt mich runter, macht mich zufrieden. Dabei stelle ich keine Rekorde auf, trage keinen Schrittzähler oder einen Pulsmesser. Ich verfolge kein Trainingsziel. Ich laufe um des Laufens willen. Einfach, weil es Spaß macht. Am liebsten bin ich im Wald unterwegs, aber auch gerne auf Feldwegen. Manchmal trabe ich langsam, manchmal fliege ich förmlich. Gelegentlich renne ich auch mal wie bekloppt kurze Strecken. Solange, bis die Lunge brennt und ich spüre, wie mir der Schweiß ausbricht.

Der Mensch ist zum Laufen geboren. Nur leider haben das viele Menschen verdrängt. Wir fahren mit dem Auto zum nächsten Supermarkt, obwohl der nur 300 m entfernt ist. Unsere Kinder werden gerne direkt vor die Schule gefahren, obwohl sie den Weg zu Fuß gehen könnten. Viele von uns sitzen acht Stunden und länger in Büros. Dafür, dass wir so viel Sitzen, essen wir zuviel. Was sich die frühe Menschheit erlaufen und erjagen mußte, wird uns heute in Plastik eingeschweißt als Billigprodukt im Discounter nachgeworfen.

Die Folgen sind bekannt: Herzinfakt, Übergewicht, Diabetes, Schlaganfall, Demenz und Co. lassen grüßen. Ich will mich da gar nicht ausnehmen. In meinen besten Bürozeiten bis vor zwei Jahren hatte ich mal flott 10 kg mehr auf den Rippen. Das ging so schleichend, ich habe das gar nicht wirklich wahr genommen. Dazu noch Stress und notorisch keine Zeit, schon gar nicht für mich selbst – der Klassiker.

Ich wußte, das dass nicht gut für mich war.

Nur was tun? Sich abends nach der Arbeit zum Sport aufraffen – und welcher sollte es sein? Fürs Fitness-Studio bin ich einfach nicht der Typ, weil ich lieber draussen an der frischen Luft bin. Schwimmen ist auch nicht so meins. Also: Laufen. Anfangs war es eher ein Spazieren, so eine Art schnell gehen. Dann bin ich abwechselnd kurze Strecken gelaufen und dann wieder gegangen. Schließlich konnte ich 5 km am Stück gut durchlaufen, und dabei bleibe ich meistens auch.

Eine Zeitlang hatte ich mich auch einem Verein angeschlossen, aber das leistungsorientierte Laufen hat meine Knochen und Sehnen so belastet, dass ich ein halbes Jahr gar nicht mehr laufen konnte. Also habe ich mich dort ausgeklinkt und laufe jetzt wie und wann ich will.

Das Praktische daran ist: Ich brauche nur meine Laufschuhe und die Trainingsklamotten, das kann ich überall mit hinnehmen. Zudem bin ich an keine Öffnungszeit gebunden. Der Wald hat immer geöffnet:-)

Eine Zeitlang bin ich mal morgens um 4 Uhr vor der Arbeit gelaufen. Bei jedem Wetter. Das war eine tolle Erfahrung! Aber nachmittags wurde ich dann sehr schnell ziemlich müde, das ging auf die Dauer nicht gut. Jetzt laufe ich abends oder am Wochenende.

Kombiniert mit Intervallfasten verschwanden die 10 kg wieder im Übergewichtsnirwana.

Beim Laufen kann man auch wunderbar nachdenken, Dinge wegdenken oder kreative Ideen kommen lassen. Manchmal denke ich mich durch die ganze Runde und nehme die Umgebung nicht so bewußt wahr. An anderen Tagen sehe ich jeden Baum, jede Spur und jeden Stein auf dem Weg und höre jedes Geräusch. Daher laufe ich auch ohne Musik, ich möchte lieber die Natur um mich herum wahrnehmen.

Müll fällt mir übrings jedes Mal auf!

Was ist Eure Sportart? Lauft Ihr schon oder sitzt Ihr noch?

Alles Liebe,

Claudia

1 Kommentare

  1. Frieda Polzin sagt

    Ich laufe auch weil es so einfach und preiswert ist. Man braucht keine Anleitung, keinen trendigen „Personal Trainer“, keine teuren Geräte. Ich ziehe mir meine alte Jogginghose, mein Kapuzenpulli, und meine Sportschuhe an und laufe langsam los. Ist mir egal was die andern denken. Ich nehme dabei nicht viel ab, aber ich kann mein Gewicht prima halten. Neulich habe ich mal spaßeshalber meinen Blutdruck gemessen. 119/71. Besser geht nicht.

    Das mit dem Sport ist wohl so. Entweder man nimmt sich die Zeit für die Bewegung jetzt oder man hat einen Herzinfarkt/Schlaganfall und hat dann gaaaanz viel Zeit. In diese Sinne, wir sehen uns im Wald.

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