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Social Media – Was macht das mit uns?

Mich treibt seit Längerem die Frage um, wie Social Media uns beeinflußt und was wir dem entgegen zu setzen haben. Es scheint nicht mehr ohne Instagram, Facebook und Whatsapp zu gehen. Oder doch? Der Versuch einer Antwort.

Es hat ja eine Weile gedauert, aber kürzlich habe ich den letzten Dienst auf meinem Smartphone gelöscht, der zu Facebook gehört: Whatsapp ist Geschichte. Ich bin tatsächlich ausgestiegen und habe zu Signal gewechselt. Erstaunlicherweise war das gar nicht so schwierig. Es ist mir sogar ausgesprochen leicht gefallen, besonders nach der Lektüre von Jaron Laniers Buch „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen mußt“. Ich hatte das Buch bereits vor einiger Zeit gelesen – ein wake-up call. Denn Social Media macht etwas mit uns . Nachdem ich für eine Hausarbeit eine Rezension über das Buch verfasst habe, war es für mich nur konsequent, den Messenger Dienst zu löschen, der meine gesamten Daten an Facebook weitergibt. Unfassbar, dass diese Praktik ständig und dauernd millionenfach 24 Stunden lang stattfindet – mit ausdrücklicher Zustimmung der User.

Doch was ist die Alternative? Auf der Schiefertafel kratzen? Es liegt mir ja völlig fern, mit dem Zeigfinger in der Luft herumzufuchteln und auf die bösen IT-Unternehmen und Entwickler zu deuten: „Ist alles böse und schlecht, was Ihr praktiziert.“ Ich bin nur nicht mehr bereit, jede Manipulation hinzunehmen frei nach dem Motto: „Macht doch jeder!“ Mir ist es wichtig, Fakten zu kennen, mir eine Meinung zu bilden und dann zu handeln. Dabei sind „alternative Fakten“, Nachrichten aus Filterblasen und Fake News eher hinderlich.

Signal – die Alternative zu Whatsapp

Ich habe mich nach längerem Abwägen entschieden, den Messenger „Signal“ zu nutzen. Weitere Alternativen findet man hier. Ein lesenswerter Artikel über die Praktiken von Whatsapp veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine online bereits 2017 an dieser Stelle. Erwartungsgemäß sind nicht so viel Freunde mit mir gewechselt. Die meisten, die ich kenne, haben mehrere Messenger auf ihrem Smartphone. Meine Fräuleins befinden sich im Teenie-Alter und sind natürlich bestens mit ihren Freunden vernetzt. Und damit sind sie nicht allein: 95% aller 12-19 Jährigen nutzen Whatsapp. Diese Zahlen nennt die neuste JIM-Studie von 2018. Unsere Familiengruppe läuft nun auf Signal – ein Kompromiss.

Da wir in der Familie Social Media immer wieder zum Thema machen, trägt meine Aufklärungsarbeit erste Früchte: Das eine Fräulein hat ihren Instagram-Account gelöscht, das andere Fräulein den Tik Tok Account. Momentan herrscht noch eine allgemeine Unsicherheit bei Beiden, was man denn nun mit den frei gewordenen Zeitkapazitäten anfangen könnte.

Als ich über meine Digital Diät geschrieben habe, ging es hauptsächlich um Social Media Kanäle wie Facebook und Instagram. Doch nicht nur die reinen Social Media Kanäle sind wahre Zeitfresser, auch Messenger können einen an den Rand der Verzweiflung treiben – besonders manche Gruppenchats treiben seltsame Blüten. Bei mir ist es nun angenehm ruhig, und ich kann mich auf die wirklichen wichtigen Kontakte konzentrieren. Und eine Erkenntnis hat sich verfestigt: Ich verpasse nichts. Aber auch gar nichts.

Influencer Marketing auf dem Vormarsch

So habe ich mehr Zeit, wieder mehr zu lesen. Unter anderem fiel mir das Buch „So wird man Influencer“ von Marie Luise Ritter in die Hände – analog in Papierform, versteht sich. Ich konnte mich darin durchaus wiederfinden: Es macht Spaß, Social Media zu nutzen und Content zu produzieren. Schließlich blogge ich auch, weil es eine tolle Möglichkeit ist, viele Leute zu erreichen. Marie Luise schildert nicht nur das schillernde, digitale Leben als Influencerin, sondern auch die harte, harte Arbeit – und die findet 24/7 statt. Ich ziehe den Hut vor der unglaublichen Diziplin, die man an den Tag legen muß, um erfolgreich zu sein. Tauschen möchte ich mit Luise jedoch nicht. Über die Gefahren von Social Media findet man in ihrem Buch wenig – durchaus verständlich aus ihrer Sicht.

Influencer Marketing ist auf dem Vormarsch, einhergehend mit Abmahnprozessen, in denen Influencer beschuldigt werden, Fotos oder Videos nicht ausreichend als Werbung gekennzeichnet zu haben.

Hier hinkt die Rechtssprechung hinterher, denn in der Tat ist es für 13jährige Mädchen mitunter schwierig, zu erkennen, das ihr Insta-Star ihnen die Gesichtscreme nicht in die Kamera hält, weil er oder sie so davon überzeugt ist, sondern weil das ganze meist eine bezahlte Kampagne ist. Und die Industrie greift diesen Trend begeistert auf: Noch nie war es so einfach, personifizierte Werbung zielguppengenau zu platzieren. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das ein hoher Social Media Konsum dazu führt, dass sich Jugendliche zunehmend als unvollständig, als nicht perfekt und nicht hübsch genug erachten – aufgrund der Masse an vermeintlich perfekten Fotos, die mit Photoshop in die Vollendung getrieben werden. Instagram hat seine Unschuld als Fotoaustausch-Plattform, auf der man nur hübsche Bilder hochladen und betrachten kann, schon lange verloren.

Die andere Seite von Social Media betrifft nicht nur die User, sondern auch die Influencer selbst. So hat die Fitness-Influencerin Sophia Thiel (24) kürzlich angekündigt, das sie sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht. In ihrem letzten Video, in dem sie ihre Gründe für ihren Rückzug dar legt, meint sie, dass sie zuletzt nur noch wie eine Maschine funktioniert habe. Für mich ist das keine Überraschung.

Aufgeben ist auch keine Option

Mich selbst reißt es manchmal hin und her: Welche Dosis Social Media erzeugt Langzeitschäden und welche nicht? Wie soll eine Bildungspolitik aussehen, die unseren Kindern das richtige Handwerkszeug an die Hand gibt, um sich mit den Folgen des Social Media Konsums einerseits auseinander zusetzen und um andererseits digital gut aufgestellt in die Zukunft zu blicken? Videos wie das von Youtuber Rezo vor der letzten Europawahl zum Beispiel finde ich erfrischend, weil die CDU jetzt auch schon festgestellt hat, das Social Media existiert. Über die Art des Videos läßt sich streiten, aber Fakt ist, das wir uns damit beschäftigen müssen.

Mir ist es wichtig, bewußt zu machen, das Social Media uns beeinflußt – ob wir wollen oder nicht. Das Maß jedoch können wir selbst bestimmen. Und es liegt an uns, inwieweit wir uns manipulieren lassen wollen oder nicht. Leben bedeutet Veränderung, und nicht alles, was das Internet hervorbringt, ist per se schlecht. Jedoch fordere ich hiermit alle auf, sich einer guten alten Methode zu bedienen: Hinterfragen und selber denken.

Ist ein wenig retro, gebe ich zu. Bei stetiger Anwendung jedoch wirklich toll: Eine eigene Meinung entwickeln, diese auch vertreten und angeregt mit allen Seiten darüber diskutieren. So klappt’s dann auch mit der richtigen Dosis Social Media. Versprochen.

Digitale Grüße,

Claudia

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