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Warum Corona Dein Leben verändern kann

Warum Corona Dein Leben ändern kann

Gedanken in der Warteschlange – warum ich glaube, das Corona Dein Leben verändern kann. Und warum wir jetzt alle doch irgendwie zusammenrücken. Obwohl wir Abstand halten sollen.

Der Supermarkt ist einer der wenigen Orte, an denen sich Menschen jetzt noch persönlich treffen. Ich stehe an der Kasse an, hinter einer auf den Boden geklebten Markierung, die für Abstand zwischen den Menschen sorgen soll. Meine Nase juckt, aber ich kann mich gerade nicht kratzen: Ich trage einen Mundschutz. Meine Fräuleins meinen, ich sehe aus wie eine Ente. Lieber eine Ente als Corona, denke ich. Unter dem Mundschutz kann ich schlecht atmen. Wie halten denn die Ärzte und Krankenpfleger*innen das den ganzen Tag aus? Ich trage den Mundschutz, weil ich eine Vorerkrankung habe. Meine Hände sind total schwitzig in den Einmalhandschuhe. Keine Ahnung, ob mich das ausreichend schützt. Ich schiebe meinen Einkaufswagen ein Stück weiter. Die Stimmung im Laden ist gedrückt. Normalerweise begrüßen wir uns hier fröhlich, man kennt sich. Heute ist wenig los, die Leute beeilen sich und wollen schnell wieder raus aus dem Laden.

Mein Brille beschlägt. Ich muß an all die Menschen denken, die jetzt alleine zuhause sind und da auch bleiben sollten, wenn sie nicht gerade einkaufen oder zum Arzt müssen. Mit wem sprechen jetzt all die Singles und Rentner? Spazierengehen soll man ja möglichst auch alleine. Ich habe zumindest noch die Fräuleins und den Hund. Der spricht zwar nicht, aber ich bin in Gesellschaft und komme raus aus den vier Wänden. Gestern traf ich im Kleingarten eine Dame mit Hund, die mir von Ferne zurief: „Wenigstens habe ich noch den Hund!“ Wie wahr.

Pragmatismus und eine entspannte Grundhaltung

Was macht das mit uns? Das Fernhalten, das Separieren? Viele Menschen sind verunsichert und ängstlich in diesen Tagen, so etwas habe man noch nie erlebt, erzählen viele. Einige Ältere sind pragmatischer, besonders die, die einen oder zwei Weltkriege erlebt haben. Sie kennen Ausnahmezustände und wissen: die Krise geht vorüber. Aber da wäre noch die Generation „Alles ist möglich“. Die Jungen unter uns, zwischen achtzehn und fünfunddreißig. Auf einmal ist nicht mehr alles möglich. Plötzlich ist vieles nicht mehr erlaubt, was eben noch selbstverständlich war.

An der Kasse geht es langsam voran, die Kassiererin hinter ihrer Plexiglasscheibe nimmt sich Zeit. Eine der Ketten, die an der Scheibe befestigt sind, löst sich immer wieder. Geduldig wird die Kette wieder eingehängt, und weiter geht es.

Eigentlich sollte ich jetzt in der Schule sein und meine Präsentationsprüfung ablegen. Die Prüfung wurde in letzter Minute abgesagt. Ich bin froh darüber, denn der Kontakt mit Dozent*innen und Mitstudierenden wäre ein erhöhtes Risiko für mich gewesen. Zu Beginn der Woche war es zunächst etwas chaotisch, Mails von drei verschiedenen Schulen prasselten auf uns ein. Aber nach einigen Tagen pendelte sich eine Art Routine ein, die Fräuleins sind mit Lernstoff versorgt und die Kommunikationswege haben sich eingespielt. Wir geben jedem Tag eine Struktur – das vermittelt Sicherheit in Zeiten, wo so vieles nicht mehr sicher ist und Manches seltsam skuril anmutet. Einige meiner Freund*innen sind selbstständig – ich mache mir Sorgen, wie es bei ihnen beruflich weitergehen wird.

Ich wundere mich ja, was plötzlich alles so geht. Unterrichtsstoff zuhause erarbeiten? Geht. Klausuren zuhause schreiben und digital abgeben? Geht. Online Probleme jeder Art lösen? Geht auch.

Sich um seine Mitmenschen kümmern? Geht plötzlich auch.

Die Arbeit von medizinischem Personal, Müllwerker*innen, Lieferanten, Busfahrer*innen, Bäckern, Angestellten im Supermarkt, Erzieher*innen und die vielen Menschen, die das Leben am Laufen halten, würdigen – das geht plötzlich auch.

Wie werden wir in Zukunft über Dienstleister denken?

Ich bin sehr gespannt, ob wir es schaffen, diese Würdigung in das Leben nach Corona zu übertragen. Zum Beispiel dürfte sich das gerne niederschlagen in einem anhaltenden Respekt und der Würdigung all dieser Berufsgruppen, die gerne vor Corona als wenig erstrebenswert und wichtig galten. Eine Vergütung, die zum Leben reicht (Altenpflege!) und eine bezahlte Ausbildung (Erzieher*in, Physiotherapeutin!) wären nur zwei Aspekte.

Gemeinsam durch die Krise – dieser Gedanken verbindet Millionen Menschen, und das finde ich bemerkenswert. Was wurde nicht alles behauptet in jüngster Zeit: Die Jugend lebe ihr Leben im Smartphone, keiner schaue nach dem Anderen, die Gewalt nehme zu und jeder sei doch im Grunde sich selbst der Nächste. Dazu eine Welt der Fake-News und das stetige Streben nach Wachstum und Wohlstand für einige Wenige. Meiner Meinung nach ist es auch immer eine Sache der Wahrnehmung. Wie nehme ich Berichterstattung wahr? Fokussiere ich mich auf die Negativ-Schlagzeilen oder lese ich auch die positiven Nachrichten?

Jetzt in der Corona-Krise zeigt sich, dass Menschen sich sehr wohl solidarisch verhalten können. Die Hilfsbereitschaft von allen Seiten und untereinander ist enorm. Spontan gründen sich TV und Radio-Quarantäne Wohnzimmer, aus denen gesendet wird. Nachbarn können sich auf Hausgemeinschaften verlassen, indem Jüngere für Ältere einkaufen. Menschen halten zum großen Teil Abstand voneinander, weil sie sich und andere schützen müssen. Alleine würden wir es nicht schaffen.

Es ist die alte Frage danach, ob das Glas halb voll ist oder halb leer. In den letzten Tagen hatte man viel Gelegenheit, zu erkennen, dass das Glas ziemlich voll ist. Uns eint plötzlich die Angst, was wir verlieren könnten. Und so rücken die Menschen zusammen – virtuell, digital, mit physischem Abstand – aber doch näher zusammen als zuvor.

Inzwischen bin ich in der Kassenschlange nach vorne gerückt. Ein älterer Herr ganz vorne hat den Kaffee nicht gefunden, den er eigentlich wollte. Die Kassiererin steht auf und geht die richtige Sorte holen. Der Herr lächelt und freut sich. Die ganze Kassenschlange freut sich mit.

Endlich haben wir Zeit – für die Familie, zum Nachdenken und zum Entspannen

Wann hatten wir eigentlich das letzte Mal so viel Zeit? Zeit für die Familie? Für ein schönes Frühstück mit Kerzen, Brötchen und Obstsalat? Für ein gutes Buch und einen längeren Spaziergang? Der Alltag in der „ersten Etage links“ sieht so aus: 4.45 Uhr aufstehen, mit dem Hund raus. 5.00 Uhr Frühstück für alle machen, duschen. Bad frei machen für die Fräuleins, Brote schmieren, Sachen packen. Frühstücken. Abräumen. Um 7.00 bis 7.30 Uhr alle aus dem Haus. Schule für alle bis in den Nachmittag. Essen kochen, Fräuleins Hausaufgaben, Lernen. Haushalt (Wäsche, Putzen, Einkaufen). Mit dem Hund raus, Fräuleins zu ihren Sportvereinen fahren. Mama Hausaufgaben und lernen. Tagesschau und Haushalt (Bügeln, Trockner ausräumen, Aufräumen). Dann ist es meistens 22.30 Uhr und ich muß dringend ins Bett, sonst schaffe ich es morgens nicht aus dem Bett. Vorher muß aber der Hund noch mal raus.

Und da wäre noch: Die Steuererklärung machen, den Keller aufräumen, den Vermieter anrufen, weil der Wasserkasten am Klo wieder klemmt, Anträge ans Amt stellen für Klassenfahrten, Elternabende, den Balkon bepflanzen, in den Baumarkt fahren, weil der Holzkleber alle ist und der Stuhl deshalb zusammengebrochen ist, die kaputte Glühbirne im Flur austauschen, die Kisten für den Flohmarkt sortieren, zu dem man am Wochenende angemeldet ist, Geburtstageschenke besorgen, das Kleid zur Schneiderin bringen, Nasenspray aus der Apotheke holen, für Oma Kartoffeln und Eier einkaufen, Politik-Ortsvereinssitzung besuchen, den Garten umgraben und aussähen, 23 x telefonieren um einen Facharzttermin zu bekommen, Klausuren schreiben und für wissenschaftliche Hausarbeiten recherchieren, dem älteren Fräulein den zweiten Weltkrieg erklären, dem jüngeren Fräulein Bismarck (die sind ja noch nicht so weit)…

Erinnere Dich an Deine Träume

Wenn ich mir die Liste so betrachte: Wann habe ich das eigentlich alles so geschafft zwischen durch? Jetzt ist alles anders. Der Lebensrhytmus ist gefühlt langsamer geworden. Und das ist auch eine Chance. Eine Möglichkeit, mal zu überdenken, was das Leben so mit einem macht. Denn trotz aller Zwänge und Aufgaben haben wir doch Gestaltungsmöglichkeiten. Und ich finde die Gelegenheit super, die Gedanken mal frei zu lassen und sich an seine Träume und Wünsche zu erinnern. Was wollten wir als Kind werden? Was möchten wir erreichen? Und was möchten wir auf keinen Fall mehr tun? Von was träumen wir? Ein interessantes Gedankenspiel, das ich jedem empfehlen kann. Es lohnt sich, die Gedanken aufzuschreiben. Wir haben doch jetzt Zeit. Und deshalb kann Corona Dein Leben ändern – wenn Du das willst.

An der Kasse ist ein Stand mit frischen Blumen. Ich packe zwei Sträuße rote Tulpen in meinen Wagen. Einen für mich, den anderen werde ich meiner Mutter vor die Tür legen. Persönlich werde ich ihn nicht überreichen können. Später werde ich sie anrufen und ihr sagen, dass sie mal vor die Tür gucken soll. Dann bin ich an der Reihe und bezahle meine Einkäufe. Die junge Kassiererin hinter der Plexiglasscheibe ist erkältet. Ob es Corona ist, weiß sie nicht. Im Moment ist sie in Sorge, dass sie ab morgen keine Kinderbetreuung für ihren Sohn hat. Ich drücke ihr die Daumen und bedanke mich, dass sie für uns Kunden da ist.

Draußen im Auto zerre ich mir den Mundschutz von der Nase. Zurück bleibt ein Abdruck im Gesicht und ein Eindruck im Kopf: Ich freue mich über die Solidarität und die Empathie unter den Menschen. Gleichzeitig bleibt die Sorge um unsere Gesundheit und die Folgen von Corona. Zuhause werde ich mir einen Tee kochen und meine Gedanken aufschreiben. Wie spät es wohl gerade ist? Ich schaue aus Reflex auf meinen linken Unterarm und stelle fest: Ich habe gar keine Armbanduhr an. Es ist im Moment einfach nicht so wichtig, wie spät es ist. Es gibt keinen Termin, den ich einhalten muß.

Wenn wir es zulassen, kann Corona unser Leben wirklich verändern.

Bleibt gesund und passt auf Euch auf.

Liebe Grüße von Claudia

Informationen zur aktuellen Lage findest Du hier:

come in we'are open - future. Foto einer Tür mit diesem Spruch darauf.

Positiv denken

Heute ist der fünfte Tag im neuen Jahr 2020 – herzlich willkommen in der Zukunft! Vor knapp einer Woche haben wir noch gedacht, morgen beginnt das neue Jahr. Vielleicht haben wir Vorsätze für das neue Jahr gefasst, möglicherweise waren wir aber auch einfach nur froh, dass das alte Jahr rum ist. Egal, das war gestern. Die Zukunft findet jetzt statt. Und die ist positiv.

Wie, im Zeitalter von Hetze im Netz, Armut, Klimakatastrophe, Politikverdrossenheit, steigender Scheidungsraten und der Feststellung, das die Nachbarn wieder den Müll nicht richtig getrennt haben? Jawoll, ich sehe die Zukunft positiv. Und Du kannst das auch.

Positiv denken

Ich muß mir nicht vornehmen, positiv zu denken, denn das ist meine Grundlebenseinstellung. Möglicherweise ist das ein glücklicher Zufall, dass das Glas für mich immer halb voll ist und nicht halb leer. Aber auch mir stellt das Leben Aufgaben, vor denen ich stehe und nicht weiß, wie ich diese bewältigen soll. Aber ich fange dann einfach an. Es wird schon gut werden. Möglicherweise werde ich scheitern, oder ich muß erneut beginnen.

Grundsätzlich ist aber entscheidend, wie Du ins Rennen gehst. Denkst Du: „Ich schaffe es“, oder: „Ach, das wird ja eh nichts. Ist ja immer so, das ich es nicht hinkriege.“ Oder denkst Du: „Los geht’s, wird super!?“

Positiv denken ist eine Lebenseinstellung, und die kann man trainieren. Forscher haben herausgefunden, dass man das tut, was man denkt. Die Taten folgen also den Gedanken. Wir müssen ja sowieso denken. Warum dann nicht gleich positiv?

Ich gebe zu, das ist an einem grauen, windigen naßkalten Januartag gar nicht so einfach: Am ersten Geschäftstag im neuen Jahr war ich einkaufen. Es regnete. So dieser kleine, fiese Nieselregen, der von allen Seiten kommt. An jeder Kasse waren lange Schlangen. Ich stand da an, wo es am längsten dauerte. Dann musste ich erst mal höflich den Bon ablehnen, den man mir nachdrücklich mit geben wollte. Es herrscht ja jetzt Bon Pflicht. Im Zeitalter der Manipulierbarkeit jeder computerbasierten Kasse frage ich mich zwar, was das bewirken soll, aber sei es drum. Auch die Beigabe in Form eines Mini-Glücksschweins wollte ich nicht annehmen, das endet bei mir immer als Stehrumchen.

Schöne neue digitale Welt

Auf dem Weg zur Bank stand ich im Stau. In der Bank war die automatische Zählmaschine kaputt. Ich wollte Kleingeld auf ein Sparbuch einzahlen. Seid Herr Schmidt durch einen Münzeinzahlautomaten, einen Geldrollenspender sowie eine automatische Zählmaschine ersetzt wurde, herrscht in der Bankfiliale neuerdings so eine Stimmung wie im Beerdigungsinstitut. Da sprechen ja auch nicht mehr so viele mit Einem. Oder ob es an der weißen Marmorverkleidung im Foyer liegt? Wer weiß das schon. Ich spazierte also mit meiner Geldbombe wieder raus aus der Bank und schritt zur Bücherei. Die hatte nur leider zu und war erst am Nachmittag wieder geöffnet. Es nieselte immer noch – von allen Seiten.

Da sagte ich mir: Was soll’s. Die Alltagshektik am ersten Tag im neuen Jahr wird vergehen. Die Zählmaschine wird schon bald wieder funktionieren, und die Bücherei läuft auch nicht weg. Dann mache ich mir eben einen schönen Vormittag mit heißem Tee und einem netten Buch auf dem Sofa. Und so geschah es.

Wißt Ihr, warum sich negative Meldungen im Netz viel schneller verbreiten als positive? Jaron Lanier beschreibt dies in seinem Buch „Zehn Gründe, warum Du Deine Social Media Accounts sofort löschen musst“: „In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurde der Einfluss von positivem und negativem Feedback verglichen […] Unabhängig von der Frage, ob in bestimmten Fällen positives Feedback theoretisch wirkungsvoller sein könnte oder nicht, hat sich herausgestellt, dass negatives Feedback billiger ist – und damit die bessere Option fürs Geschäft. Folglich taucht es in sozialen Netztwerken öfter auf. Negative Emotionen wie Angst und Wut lassen sich leichter herbeiführen, und sie halten länger vor als positive – es dauert wesentlich länger, Vertrauen aufzubauen als es zu verlieren. Eine Stresssituation tritt in Sekundenbruchteilen ein, während es Stunden dauern kann, sich zu entspannen.“ *

Manipulation durch Algorithmen

Das dies zufällig durch die negativen Emotionen geschieht, fällt laut Lanier erst mal gar nicht auf. Die Engagementrate ( = Aktivitätsrate der User) muss um jeden Preis gesteigert werden, das sei das wichtigste Ziel von Social Media Unternehmen. Dem ist alles untergeordnet. Das damit die Emotionen von Millionen Usern massiv beeinflusst werden, ist eine der größten globalen Manipulationen unserer Zeit. (ebd.*)

Zu den Selbstzweifeln, der mangelnden Selbstliebe und zum fehlenden Selbstvertrauen kommt dann also noch eine Flut von negativen medialen Meldungen hinzu, die Dich in negativem Denken bestärkt. Du scheinst vom Pech verfolgt und nichts klappt so, wie Du es erwartest.

Wir stehen jeden Tag mit selbst uns auf und gehen am Abend mit unseren Gedanken ins Bett. Es steht uns frei, jeden Morgen neu zu entscheiden, ob dies ein positiver Tag werden soll oder ob heute wieder alles schief geht.

Du glaubst, Du hast keine Wahl? Du hast die Wahl!

Je öfter Du Dich damit beschäftigt, positiv zu denken, desto besser funktioniert es. Es lohnt sich, mal nach alten Glaubenssätzen zu kramen, die Dir das Leben schwer gemacht haben oder es noch tun.

„Aus Dir wird ja eh‘ nichts mit den Schulnoten/ mit der Einstellung/ mit dem Aussehen. „

„Kleider stehen Dir einfach nicht.“

„Du bist nichts wert.“

„Du warst schon als Kind so tolpatschig/pummelig/laut/leise/albern/aufsässig/neugierig/penetrant/dumm/unlustig.“

„Lach doch nicht so laut!“

„Mädchen/Jungs machen das nicht.“

Hast Du Dich wieder erkannt? Was waren Deine Glaubenssätze? Weg damit! Das hat mit Dir und Deinem Leben nichts zu tun. Wer entscheidet denn in Deinem Leben, was Du denkst? Richtig, Du allein! Du kannst selbst entscheiden, was Du denken möchtest – ist das nicht großartig?

Halte Deine Synapsen auf Trab und im Training – die kleinen Verbindungen im Gehirn speichern, was Du denkst und wie oft Du etwas denkst. Und schwupp stehst Du morgens auf und Dein erster Gedanke ist: Toll, draußen ist es grau, naß und schlammig, genau der richtig Tag für eine winterliche Joggingrunde! Dann freut sich die Waschmaschine auf meine Dreckklamotte und ich mich auf eine heiße Dusche! Dem grummeligen Nachbar*in ein strahlendes Lächeln geschenkt und ein fröhliches „Guten Morgen“ entgegen geschleudert, und auf geht es!

Nicht verzagen, wenn es nicht sofort klappt. Stete Wiederholung hilft, Dein Gehirn muß erst lernen, das es sich gut anfühlt, positiv zu denken. Öfter mal analog ein Buch oder eine gute Tageszeitung lesen hilft auch, den (Fake) News zu entkommen und das Gehirn von seiner Social Media Blase zu entkoppeln. Sich mit Freund*innen treffen (ja, auch analog!) und was Gutes zusammen kochen (so wie früher) hilft ungemein, positive Glücksgefühle in Dir zu produzieren.

Und stimmt, ich habe schon häufiger über analog Lesen und Kochrunden unter Freund*innen geschrieben – und ich werde es wohl noch ein paar mal erwähnen von wegen Synapsentraining und so!

So, jetzt frisch ans Werk und die erste Portion positiv Denken ausprobieren! Viel Spaß dabei!

Alles Liebe,

Claudia

*Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen mußt. Hoffman und Campe Verlag, 2. Auflage 2018

Makroaufnahmen im Garten

Die Kamera meines Smartphones entlockt der Natur wunderbare Eindrücke – eingefangen an einem Sommertag im Juli

Wenn man Dinge mal genau betrachtet, dann nimmt man mitunter Details wahr, die Einem vorher in der Form noch nie aufgefallen sind. Das kann beängstigend sein, aber auch sehr faszinierend. Ich liebe es, Makroaufnahmen von Pflanzen und Insekten im Garten zu machen. In der Vergrößerung entfalten manche Pflanzen und Tiere eine unglaubliche Schönheit. Man entdeckt bizzare Formen und so viele Farbtöne.

Sommerzeit = Gartenzeit!

Unser Garten gefällt mir jetzt im Sommer am besten. Es ist Erntezeit, neben Salat, Gurken und Radieschen gibt es Unmengen von Himbeeren und noch viel mehr Brombeeren. Die Brombeerranken sind derartig mit Stacheln bewaffnet, dass ich ständig zerkratze Armen und Beine habe.

Eine Makroaufnahme im Garten einer schwarzen Brombeere zusammen mit unreifen Brombeeren und grünen Blättern im Hintergrund

Neben den pflanzlichen Schönheiten gibt es noch eine Menge Besucher, die gerne bei uns zu Gast sind: Vögel, Mäuse, Frösche und eine Vielzahl von Insekten geben sich die Klinke vom Gartentürchen in die Hand. Die Tiere mögen es scheinbar, dass es in meinem Garten nicht so „ordentlich“ ist: Hier blüht ein Unkraut und dort gibt es einen Stapel Totholz, unter dem man sich verstecken kann. Eines der Vogelhäuschen hat ein Wespenvolk für sich aquiriert. Die Meise, die sonst darin brütet, guckte etwas verwundert und suchte sich dann einen der anderen Nistkästen aus. Den ganzen Tag piepst, zwitschert, summt und brummt es um mich herum.

Vielfalt von Insekten und Blüten

Ein gelb-schwarzes Insekte, welches auf einer Pfefferminzblüte sitzt und Nektar aus den Blüten saugt

Viele Sommerblumen wie Cosmea, Ringelblumen, Mädchenauge, Löwenmäulchen, Lavendel, Kornblumen und Mohn locken Insekten an.

Makroaufnahme einer rosa-pinkfarbene Cosmeablüte im Garten mit gelben Pollen

Pink ist eine meiner Lieblingsfarben. Bei dieser Blüte muß ich an den Film „Epic“ denken, wo all die diese kleine Waldfeen Blüttenhüte auf dem Kopf tragen.

Schwarz-gelb gestreifte Wildbiene sitzt auf einer blauen Kornblumenblüte und saugt Nektar aus der Blüte in Makroaufnahme im Garten fotografiert

Wieso tragen Wildbienen auch im Sommer Pelz, warum sind Hummeln so laut beim Fliegen und weshalb gibt es dieses unglaubliche Vielfalt an Pflanzen? Darüber musste ich nachdenken, als ich bei 31 Grad Celsius inmitten meines kleinen Bauerngartens hockte. Es war so unglaublich heiß, die Mücken mochten meine Haut lieber als die Pflanzen (immer in den Nacken!), und ich wartete geduldig auf die richtigen Momente.

Makroaufnahme im Garten einer gelben Mädchenaugenblüte und hellblaue Borretschblüte, die nebeneinander auf dem Feld im Bauerngarten blühen

In der Vogeltränke nahm eine Amsel ein Bad, während die Meisen sich mit den Spatzen am Futterhäuschen einen lautstarken Streit lieferten, wer denn jetzt zuerst an die Körner darf.

Eine große rosa Mohnblüte wächst wild im Bauerngarten neben der grünen Ligusterhecke neben Brennesseln

Als wir den Garten übernommen haben, was alles sehr ordentlich, es gab kein Unkraut und die Beete waren überschaubar bepflanzt, die Sträucher sehr gestutzt. Nun geht es wilder zu, Rosa Mohn (wächst drei Gärten weiter und jetzt auch bei mir:-) macht es sich behaglich neben Brennesseln. Brennesseln? Ja richtig gelesen. Seit ich weiß, dass Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge, der kleine Fuchs, der Admiral oder das Landkärtchen die Brennessel als Eiablage und im Raupenstadium als Futterpflanze benötigen, lasse ich immer einige Pflanzen stehen.

Makroaufnahme im Garten eines Großen Zucchino mit grüner Stangengurke daneben, einer kleinen grünen Salatgurke und einer grüngelber Zitronengurke, die auf dem der Erde liegen

Größenvergleich: Links der Zucchino mit über einem Kilo Gewicht, daneben eine Stangengurke. Die kleine Salatgurke macht sich gut zum Einmachen, rechts davon eine Zitronengurke. Die Samen für die Pflanzen habe ich hier bestellt.

Ein roter, länglicher Käfer mit langen brauen Fühlern, der auf einer rosa blühender Pfefferminzblüte im Garten sitzt

Mitten in der Pfefferminze. Ich hatte Glück, das mir der Käfer auch mal seine schöne Breitseite und die Fühler präsentiert hat. Die meiste Zeit steckte er kopfüber in den Blütenkelchen.

Eine große grüne Blütendolde mit Samen, Stengel und Blättern im Bauerngarten

Wie ein Kunstwerk aus Stengel, Samen und Blättern.

Eine große, pinke Cosmea Blüte und eine kleinen, weißen Schafgarbe nebeneinander im Garten

Das ist mein absolutes Lieblingsbild – die Kombination aus Pink und weiß, eine riesige Blüte und lauter kleine. Zufällig stehen beide im Garten nebeneinander.

Trockene Mohnkapsel von rosa  Mohn mit Mohnsamen als Makroaufnahme im Garten fotografiert vor grünem Hintergrund

Manchmal ensteht der Reiz eines Fotos erst beim Betrachten der Makroaufnahmen, die man am Abend durchschaut. Dieses Foto ist ganz schnell im Vorübergehen am Abend entstanden und zeigt eine Mohnkapsel. Die Blüte ist verblüht, in der Kapsel befinden sich hunderte Mohnsamen.

Mein Smartphone kommt näher an die Objekte heran als das Objektiv meiner Kamera. Ein Makro-Objektiv für die Canon steht ganz oben auf meiner Wunschliste…

Makroaufnahme einer grünen Gurkenpflanze, die sich ihren Weg sucht auf dem Boden mit Fühler zum Ranken

Unsere Gurkenpflanzen sind sehr umtriebig – sie strecken ihre Fühler in alle Richtungen aus und umklammern dann alles, was sie als Rankhilfe gebrauchen können. Im Notfall klettern sie auch an den Ästen der Apfelbäume hoch, wenn diese zu weit runterhängen. Dieses Jahr scheint ein Gurkenjahr zu werden- es sind unendlich viele Blüten an den Pflanzen, die fleißig von Insekten bestäubt werden. Folglich werden wir eine Unmenge Gurken ernten dürfen!

Große Tomatenliebe

Makroaufnahme im Garten einer grüngelben Tomatenrispe die an einer Tomatenpflanze hängt

Tomaten in Tönnchenform, Fleischtomaten, Tomaten gestreift und Tomaten mit Schokoladengeschmack – ich bin sehr gespannt, welche Geschmackserlebnisse uns hier erwarten.

Zwei orange Tomaten die auf der Erde liegen als Makroaufnahme

Ich liebe Tomaten, die aussergewöhnlich sind. Diese zwei Modelle in Orange gibt es leider nicht mehr. Die wurden nach dem Foto direkt gegessen.

Makroaufnahme im Garten von grünen Tomaten, die an der Pflanze hängen, im Hintergrund eine große grüne Fleischtomate

„Grüne Tomaten“ – schon wieder eine Erinnerung an einen Film. Wer den nicht kennt – unbedingt anschauen! Wobei…eigentlich könnte ich mir den auch mal wieder anschauen.

Makroaufnahmen von Zwetschgen an einem Baum mit Ästen im Sommer, die tief herunterhängen, am Baum sind grüne Blätter

Letzten Sommer gab es schon viele Pflaumen und Zwetschgen – dieses Jahr drohen die Äste unter der Last zu brechen. Wir haben sie abgestützt so gut es geht, hoffentlich halten die Stützen.

Am Ende des Tages hatte ich ca. 57 Sommersprossen mehr, ungefähr 7 Mückenstiche (natürlich alle im Nacken!), Erde in den Sandalen und steife Gelenke vom Auf-der-Stelle-hocken – aber dafür traumhafte Aus- und Einblicke in die Natur erhalten! Das war es wert.

Liebe Grüße aus dem Garten,

Claudia

Plastikmüll am Strand

Wenn man aufs Meer schaut, dann verliert man sich in der Weite. Es ist herrlich und ich denke jedesmal, wie großartig die Natur ist. Der Atem wird ruhig und die Seele weit. Die Luft schmeckt salzig und es ist fast immer windig. Wenn wir ankommen, gibt es erst mal ein großes Wettrennen die Dünen hoch, um zu schauen, ob das Meer noch da ist. Seit die Fräuleins klein sind, ist das immer ein riesiger Spaß! Natürlich ist das Meer noch da.

Auf der anderen Seite rennen wir dann immer runter zum Wasser, der Hund begeistert voraus – mit einer aprupten Vollbremsung am Wasser, schließlich handelt es sich um einen Rhodesian Ridgeback. Da macht man sich nur im höchsten Notfall die Pfoten naß. Also wenn es gar nicht anders geht.

Plastik an Dänemarks Stränden

Wenn ich aufs Meer schaue, sehe ich ihn nicht – den Plastikmüll zu meinen Füßen. Auch Dänemarks Küsten bleiben nicht verschont von Kanistern aus Plastik, Zahnbüsten, Aludosen, Zahnpastatuben, Tamponeinführhilfen, Luftballonhüllen samt Schnur, Einwegrasierern und Strohhalmen – nach jeder Flut wird alles mögliche ans Ufer geschwemmt.

Inszwischen stehen an den Aufgängen zu den Ferienhäusern Mülltonnen und große Holz-Container bereit. Jeder ist aufgefordert, bei seinem Strandspaziergang etwas Müll mitzunehmen und so zu helfen, die Strände sauber zu halten.

Besser wäre es, wenn dieser Müll gar nicht erst entstehen würde. Und so fällt mir wieder mal auf, wie viele Produkte aus Kunststoff hergestellt sind, die wir tagtäglich benutzen. Aber auch Aluminium, Seile, Glasflaschen mit Verschluß und Holzreste finden wir am Strand.

Als Kind war ich an diesen Stränden schon unterwegs. Das ist jetzt über 30 Jahre her. Zu dieser Zeit gab es auch schon Dinge, die angeschwemmt wurden. Mal waren es Bojen, Holz oder eine Flasche. Manchmal ein Kanister oder Reste eines Fischenetzes. Aber mittlerweile ist der Müll ein riesiges Problem geworden. Insbesondere die vielen Teile aus Kunststoff fallen mir beim Sammeln auf. Inzwischen ist uns das Aufheben von Müll derartig in Fleisch und Blut übergegangen, das wir gar nicht mehr anders können – wenn irgendwo Müll liegt, heben wir es auf.

Viele helfen mit beim Müll aufsammeln

Meistens haben wir Tüten dabei, zur Not muß eben der Hundekotbeutel als Transporthilfe dienen. Wie hier bereits erwähnt kehren wir nie ohne gesammelten Müll heim bzw. laufen bis zum nächsten Mülleimer. Das ist schon erschreckend. Toll fand ich, dass sich auch viele andere Urlauber an der Aktion beteiligt haben und Plastikplanen, Kanister und anderen Unrat zu den Sammelbehältern getragen haben.

Die Fräuleins helfen selbstverständlich mit. Neulich habe hier gelesen, dass der Betreiber eines Freizeitparkes in der Nähe von Nantes eine „fliegende Müllabfuhr“ einsetzt. Die Idee, Saatkrähen als Müllsammler zu trainieren, hatte Christophe Gaborit, der Falkner des Freizeitparks. Ihm ist es gelungen, einer Gruppe Krähen beizubringen, herumliegenden Abfall aufzupicken und diesen in einen Behälter zu werfen, der im Gegenzug ein Leckerli für die Vögel ausspuckt. Dadurch sollen Besucher des Parkes animiert werden, keinen Müll mehr in die Gegend zu werfen. Ob das nicht eine Alternative für die Möwen am Strand wäre? Das Problem: Für einen Kanister oder eine Holz-Palette bräuchte man dann ein ausgebildetes Heer von Möwen…

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Wann werden bestimmte Kunststoff-Produkte endlich verboten? Wird es verstärkt Rückgabe- und Pfandverpackungen als Alternative für Umverpackungen im Handel geben? Meiner Meinung nach ist dies eine sehr gute Möglichkeit, um Müll zu vermeiden. Weiterhin setze ich mich für das Vermeiden von Plastikmüll ein und suche nach Alternativen zu Kunststoffprodukten. Inszwischen verzichte ich auf Duschgel in Plastikflaschen und benutze Seife am Stück.

Setzt Ihr Alternativen zu Kunststoff ein? Ich freue mich, wenn Ihr mir davon erzählt!

Alles Liebe,

Claudia

Frau Amsel brütet

Familie ist ja so eine Sache. Entweder man plant eine (klappt manchmal), oder man heiratet in eine ein (es soll Konstellationen geben, wo das gut geht) oder man ist auf der Suche (Single sein hat auch Vorteile). Irgendwie bringt man ja auch immer Familie mit, schließlich ist die Sache mit Maria Empfängnis umstritten – Mama und Papa hatten sich lieb und dann kam ich. Gelegentlich finden Kinder eine Familie, die vorher keine hatten, und manchmal fühlt man Familie, obwohl man gar nicht verwandt ist.

Und dann gibt es da Frau Amsel. Frau Amsel hat das Projekt Familie strategisch geplant und umgesetzt. Zu meiner Überraschung wurde mein Balkon als Sozialraum auserkoren. Gut, bei mir ist es auf dem Balkon schön grün zur Zeit, es gibt Obstbäumchen, einen Farn und eine fette Henne sowie allerlei Sommerblüher. Ach ja, auch der Ahorn ist noch da. Der ist jetzt so groß, dass er mit der Spitze der Decke ausgewichen ist und jetzt einfach zum Nachbarn weiter nach oben wächst.

Möglicherweise deutete die Amsel: Ein Ahorn – hier ist Wald. Hier kann ich wohnen. Nach einer schwungvollen Punktlandung von Frau Amsel auf dem Geländer wurde die Lokalität mit schräg gestelltem Kopf inspiziert. Sodann wurde der Amselmann herbei zitiert. Na, wer sucht also die Wohngegend/ das Auto/ die Socken aus? Richtig, die Frau!

Frau Amsel hüpfte in diese und in jene Ecke und flog dann zielstrebig in mein Regal neben der Tür zur Kammer. Das dritte Regalbrett von unten wurde für gut befunden. Ist ja auch ein wenig dunkel in Parterre. Der Vorgarten fand anscheinend auch Gefallen in Form einer Aloe, die ich auf dem Regal platziert hatte. Rechts neben der Aloe steht mein skandinavisches Windlicht. DAS war das Objekt der Begierde! Eine perfekte Wohnung für Familie Amsel und 1-5 Kinder. Frei nach der Werbung „meine Frau, mein Balkon, mein Windlicht“ hockte der Amselmann aufgeplustert in der Akazie vor meinem Balkon und pfiff der Konkurrenz vor, das es bei ihm läuft.

Für Frau Amsel begann eine mühsame Zeit. Unermüdlich flog sie vom Balkon ab und kam mit Nistbaumaterial in ihrem Schnabel wieder. Woher wußte sie, dass mein Balkon der richtige ist? Wieso verflog sie sich nicht? Das erinnerte mich an die Helikoptereinsätze in den Alpen, wenn in unwegsamem Gelände gebaut wird und das Baumaterial per Lufttaxi herbeigeschafft werden muß. Der Heli hat ein Navi, die Amsel nicht.

Innerhalb von drei Tagen hatte Frau Amsel ein rundes Designappartment für die ganze Familie gebaut. Innen hübsch mit Lehmwänden (gesundes Raumklima!), aussen exklusiv in moosgrün gehalten. Frau Amsel hat das alleine gebaut. Ganz allein. Ja, Frauen können Architektur!!! Herr Amsel war mit Singen und Aufplustern beschäftigt. Was natürlich auch immens wichtig ist. Einer muß ja den Überblick behalten. Während sich Herr Amsel weiter auf der Akazienallee profilierte, hockte sich Frau Amsel ins Nest und legte fünf türkis-grüne, gesprenkelte Eier.

Die Fräuleins und ich hatten nun ein Problem – da der Balkon von Familie Amsel bewohnt war, stellte sich die Frage: Wie sollten wir in die Kammer kommen, ohne die werdende Mutter samt Nachwuchs zu verschrecken? Ich setzte auf das Prinzip Gewöhnung. Erst ließen wir einfach die Balkontür offen und unterhielten uns drinnen. Dann stellten wir uns in die Balkontür, mißtrauisch beäugt von Frau Amsel, die dick aufgeplustert auf ihren Eier hockte wie auf einem Amselthron. Herr Amsel meckerte uns von seiner Akazie aus an. Aber es half ja nix. Zur Bestechung hatte ich Vogelfutter und Wasser auf den Balkon gestellt, was beide Elternteile gerne annahmen.

Schließlich schlich in mich zur Kammer, worauf Frau Amsel mit empörtem Protestpiepen vom Nest flüchtete. Mein jüngstes Fräulein verdrehte die Augen und meinte: „Siehste, ich hab doch gesagt Du mußt Dich drunter durch schleichen!“. Versuch fehlgeschlagen.

Die nächsten Tage trainierten wir weiter. Ich zeigte mich auf dem Balkon, Frau Amsel guckte, Herr Amsel saß auf seiner Akazie und warf mir wütende Blicke zu. Schließlich wagten wir einen neuen Versuch. Diesmal schlich sich ein Fräulein langsam zur Kammer und duckte sich im Vorübergehen. Dann öffnete sie die Tür, die ja nur zehn Zentimeter vom Nest entfernt ist. Frau Amsel hockte stoisch auf ihrem Thron und rührte sich nicht. Mission geglückt.

Vor ein paar Tagen saß ich auf dem Balkon und habe zusammen mit Frau Amsel die Brigitte gelesen. Frau Amsel brütend, ich Kaffee trinkend. Wir sind jetzt ganz eng. Inzwischen kann ich sogar den Gelben Sack oder den Wäscheständer aus der Kammer holen, ohne das der Amselpuls auf 180 steigt.

Vorgestern morgen wurden WIR dann Eltern: Die ersten drei Küken sind geschlüpft. Winzige, fast nackte und irgendwie uralt aussehende Vogelkinder. Heute morgen kamen Nummer vier und Nummer fünf. Es ist so berührend, wie sich die kleinen Wesen im Nest übereinander kuscheln. Jetzt ist auch Herr Amsel im Einsatz. Endlich wieder eine Aufgabe! Männer brauchen Aufgaben. Eifrig schleppt er Raupen und Regenwürmer herbei, ebenso wie Frau Amsel. Alle paar Minuten kann man nun rasante Amselstarts und Nestpunkt-Landungen beobachten. Gänge in die Kammer oder auf den Balkon erledige ich jetzt immer in flotten 20 Sekunden. Ich wußte gar nicht, dass man so schnell Kartoffeln holen, Leergut wegbringen und gleichzeitig die Blumen gießen kann.

Was für eine kleine, bezaubernde Familie. Herzlich willkommen auf dieser Welt!

Liebe Grüße,

Claudia

Social Media – Was macht das mit uns?

Mich treibt seit Längerem die Frage um, wie Social Media uns beeinflußt und was wir dem entgegen zu setzen haben. Es scheint nicht mehr ohne Instagram, Facebook und Whatsapp zu gehen. Oder doch? Der Versuch einer Antwort.

Es hat ja eine Weile gedauert, aber kürzlich habe ich den letzten Dienst auf meinem Smartphone gelöscht, der zu Facebook gehört: Whatsapp ist Geschichte. Ich bin tatsächlich ausgestiegen und habe zu Signal gewechselt. Erstaunlicherweise war das gar nicht so schwierig. Es ist mir sogar ausgesprochen leicht gefallen, besonders nach der Lektüre von Jaron Laniers Buch „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen mußt“. Ich hatte das Buch bereits vor einiger Zeit gelesen – ein wake-up call. Denn Social Media macht etwas mit uns . Nachdem ich für eine Hausarbeit eine Rezension über das Buch verfasst habe, war es für mich nur konsequent, den Messenger Dienst zu löschen, der meine gesamten Daten an Facebook weitergibt. Unfassbar, dass diese Praktik ständig und dauernd millionenfach 24 Stunden lang stattfindet – mit ausdrücklicher Zustimmung der User.

Doch was ist die Alternative? Auf der Schiefertafel kratzen? Es liegt mir ja völlig fern, mit dem Zeigfinger in der Luft herumzufuchteln und auf die bösen IT-Unternehmen und Entwickler zu deuten: „Ist alles böse und schlecht, was Ihr praktiziert.“ Ich bin nur nicht mehr bereit, jede Manipulation hinzunehmen frei nach dem Motto: „Macht doch jeder!“ Mir ist es wichtig, Fakten zu kennen, mir eine Meinung zu bilden und dann zu handeln. Dabei sind „alternative Fakten“, Nachrichten aus Filterblasen und Fake News eher hinderlich.

Signal – die Alternative zu Whatsapp

Ich habe mich nach längerem Abwägen entschieden, den Messenger „Signal“ zu nutzen. Weitere Alternativen findet man hier. Ein lesenswerter Artikel über die Praktiken von Whatsapp veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine online bereits 2017 an dieser Stelle. Erwartungsgemäß sind nicht so viel Freunde mit mir gewechselt. Die meisten, die ich kenne, haben mehrere Messenger auf ihrem Smartphone. Meine Fräuleins befinden sich im Teenie-Alter und sind natürlich bestens mit ihren Freunden vernetzt. Und damit sind sie nicht allein: 95% aller 12-19 Jährigen nutzen Whatsapp. Diese Zahlen nennt die neuste JIM-Studie von 2018. Unsere Familiengruppe läuft nun auf Signal – ein Kompromiss.

Da wir in der Familie Social Media immer wieder zum Thema machen, trägt meine Aufklärungsarbeit erste Früchte: Das eine Fräulein hat ihren Instagram-Account gelöscht, das andere Fräulein den Tik Tok Account. Momentan herrscht noch eine allgemeine Unsicherheit bei Beiden, was man denn nun mit den frei gewordenen Zeitkapazitäten anfangen könnte.

Als ich über meine Digital Diät geschrieben habe, ging es hauptsächlich um Social Media Kanäle wie Facebook und Instagram. Doch nicht nur die reinen Social Media Kanäle sind wahre Zeitfresser, auch Messenger können einen an den Rand der Verzweiflung treiben – besonders manche Gruppenchats treiben seltsame Blüten. Bei mir ist es nun angenehm ruhig, und ich kann mich auf die wirklichen wichtigen Kontakte konzentrieren. Und eine Erkenntnis hat sich verfestigt: Ich verpasse nichts. Aber auch gar nichts.

Influencer Marketing auf dem Vormarsch

So habe ich mehr Zeit, wieder mehr zu lesen. Unter anderem fiel mir das Buch „So wird man Influencer“ von Marie Luise Ritter in die Hände – analog in Papierform, versteht sich. Ich konnte mich darin durchaus wiederfinden: Es macht Spaß, Social Media zu nutzen und Content zu produzieren. Schließlich blogge ich auch, weil es eine tolle Möglichkeit ist, viele Leute zu erreichen. Marie Luise schildert nicht nur das schillernde, digitale Leben als Influencerin, sondern auch die harte, harte Arbeit – und die findet 24/7 statt. Ich ziehe den Hut vor der unglaublichen Diziplin, die man an den Tag legen muß, um erfolgreich zu sein. Tauschen möchte ich mit Luise jedoch nicht. Über die Gefahren von Social Media findet man in ihrem Buch wenig – durchaus verständlich aus ihrer Sicht.

Influencer Marketing ist auf dem Vormarsch, einhergehend mit Abmahnprozessen, in denen Influencer beschuldigt werden, Fotos oder Videos nicht ausreichend als Werbung gekennzeichnet zu haben.

Hier hinkt die Rechtssprechung hinterher, denn in der Tat ist es für 13jährige Mädchen mitunter schwierig, zu erkennen, das ihr Insta-Star ihnen die Gesichtscreme nicht in die Kamera hält, weil er oder sie so davon überzeugt ist, sondern weil das ganze meist eine bezahlte Kampagne ist. Und die Industrie greift diesen Trend begeistert auf: Noch nie war es so einfach, personifizierte Werbung zielguppengenau zu platzieren. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das ein hoher Social Media Konsum dazu führt, dass sich Jugendliche zunehmend als unvollständig, als nicht perfekt und nicht hübsch genug erachten – aufgrund der Masse an vermeintlich perfekten Fotos, die mit Photoshop in die Vollendung getrieben werden. Instagram hat seine Unschuld als Fotoaustausch-Plattform, auf der man nur hübsche Bilder hochladen und betrachten kann, schon lange verloren.

Die andere Seite von Social Media betrifft nicht nur die User, sondern auch die Influencer selbst. So hat die Fitness-Influencerin Sophia Thiel (24) kürzlich angekündigt, das sie sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht. In ihrem letzten Video, in dem sie ihre Gründe für ihren Rückzug dar legt, meint sie, dass sie zuletzt nur noch wie eine Maschine funktioniert habe. Für mich ist das keine Überraschung.

Aufgeben ist auch keine Option

Mich selbst reißt es manchmal hin und her: Welche Dosis Social Media erzeugt Langzeitschäden und welche nicht? Wie soll eine Bildungspolitik aussehen, die unseren Kindern das richtige Handwerkszeug an die Hand gibt, um sich mit den Folgen des Social Media Konsums einerseits auseinander zusetzen und um andererseits digital gut aufgestellt in die Zukunft zu blicken? Videos wie das von Youtuber Rezo vor der letzten Europawahl zum Beispiel finde ich erfrischend, weil die CDU jetzt auch schon festgestellt hat, das Social Media existiert. Über die Art des Videos läßt sich streiten, aber Fakt ist, das wir uns damit beschäftigen müssen.

Mir ist es wichtig, bewußt zu machen, das Social Media uns beeinflußt – ob wir wollen oder nicht. Das Maß jedoch können wir selbst bestimmen. Und es liegt an uns, inwieweit wir uns manipulieren lassen wollen oder nicht. Leben bedeutet Veränderung, und nicht alles, was das Internet hervorbringt, ist per se schlecht. Jedoch fordere ich hiermit alle auf, sich einer guten alten Methode zu bedienen: Hinterfragen und selber denken.

Ist ein wenig retro, gebe ich zu. Bei stetiger Anwendung jedoch wirklich toll: Eine eigene Meinung entwickeln, diese auch vertreten und angeregt mit allen Seiten darüber diskutieren. So klappt’s dann auch mit der richtigen Dosis Social Media. Versprochen.

Digitale Grüße,

Claudia

Festes Shampoo von alverde

Bewährt sich das feste Shampoo von alverde im Praxistest? Hier erfährst Du mehr über die Alternative zu flüssigem Shampoo in Plastikflaschen.

Schon länger war ich auf der Suche nach Alternativen zu Haarshampoos in Plastikflaschen. Doch die meisten Produkte, die ich ausprobiert habe, haben entweder komisch gerochen oder nicht genug geschäumt. Manchmal war das Haar auch strähnig und stumpf nach der Wäsche. Oder der Preis des Produktes war so hoch, das ich dafür eine eigene Haarpflegeserie entwickeln könnte. Stellt das feste Shampoo von alverde eine Alternative dar?

Unterschied von Haarseife und festem Haarshampoo

Bei meiner Recherche stieß ich dann auf den Unterschied von Haarseife und festem Shampoo. Haarseife ist ein gesiedetes Stück Seife: Sie besteht aus einer Mischung aus Fett und Lauge – daher schäumt sie weniger. Bei der Anwendung von Haarseife muß das Haar mit einer sogenannten sauren Rinse nachbehandelt werden, wenn man kalkhaltiges Wasser hat. Und in der Ersten Etage links wundert es mich, das da nicht gleich die Kalkbröckchen aus der Leitung krümmeln – wir haben hier extrem kalkhaltiges Wasser. Beim Waschen mit Haarseife kann sich „Kalkseife“ bilden. Deren Rückstände können im Haar verbleiben und machen das Haar strähnig. Festem Shampoo ist hingegen nur das Wasser entzogen. Dementsprechend kann es genauso angewendet werden wie normales Shampoo.

Wer hat eigentlich das Shampoo in Plastikflaschen erfunden? Geht doch auch so viel umweltschonender. Witzig auch: In noblen Hotels ist es jetzt wieder schick, edle Seifenstücke im Bad zu platzieren. Ach ja – wir trinken ja auch wieder Filterkaffee anstelle von Kapsel-Kaffee. Manchmal ist retro gar nicht von gestern.

alverde Naturkosmetik ohne Tierversuche

Eher zufällig fiel mein Blick im dm auf die kleine Schachtel und ich habe mir das Ganze genauer angesehen. „alverde“ ist die Naturkosmetiklinie von dm, die alverde Produkte sind tierversuchsfrei, das feste Shampoo ist vegan. Ein kurzer Check mit der App codecheck überzeugte mich dann: ich probiere es aus. Es gibt zwei Duftrichtungen des festen Shampoos, „Kokos“ und „Mandarine-Basilikum“. Da ich Kokos nicht so mag, entschied ich mich für Mandarine-Basilikum. Wobei, Basilikum habe ich jetzt nicht so rausgeschnuppert, aber das dm-Marketing fand wahrscheinlich, Mandarine alleine klingt zu einfach.

Verpackt kommt die Haarseife in einem schlichten Umkarton aus Pappe daher. Geht doch!

Die Inhaltsstoffe sind: SODIUM COCO SULFAT, BUTYROSPERMUM PARKII BUTTER, OLEA EUROPAEA FRUIT OIL, THEOBROMA CACAO SEED BUTTER, PARFUM*, LIMONENE, LINALOOL, CITRAL, E 172 / C.I. 77492 *from natural organic agriculture **from natural essential oils

Das feste Shampoo von alverde hat das Natrue-Siegel – es verzichtet somit auf problematische erdölbasierte Inhaltsstoffe und bedenkliche Konservierungsstoffe. Trotzdem sollten AnwenderInnen die Inhaltsstoffe genau studieren, um allergische Reaktionen auszuschließen.

Die Anwendung ist ganz einfach: Das feste Shampoo über das feuchte Haar hin- und her streichen, einmassieren und gut ausspülen. Da ich bei anderen festen Shampoos die Erfahrung gemacht habe, das es eine Weile dauert, bis sich der Schaum entwickelt, habe ich am Anfang zu viel vom Produkt benutzt. Es schäumte recht üppig! Da war ich dann doch ziemlich überrascht. Bei den nächsten Wäschen war ich sicherer mit der Dosierung, ich habe etwas weniger genommen. Mir fiel gleich der angenehme Duft auf, frisch und fruchtig. Das Shampoo ließ sich gut auswaschen und hat auch alle Reste von Haarspray entfernt. Nach der Wäsche war das Haar leicht und luftig – keine Spur von strähnig.

Die Aufbewahrung ist auch denkbar einfach: das Shampoo-Stück nach Gebrauch auf ein Stück Luffaschwamm legen. Darauf platziert trocknet es gut ab bis zum nächsten Einsatz. Die Fräuleins sind auch sehr begeistert mit dem Effekt, dass das feste Shampoo schnell wieder nachgekauft werden muß, da es jetzt drei Leute benutzen.

Fazit: Riecht toll, hält länger als herkömmliches Shampoo in Flaschen, schäumt gut, hat eine super Waschwirkung und spart Plastik. Der Preis von 4,95 Euro pro Stück ist angemessen, da das Shampoo lange hält wenn es von nicht von drei Mädels gleichzeitig benutzt wird.

Probiert es aus und schreibt mir gerne Eure Erfahrungen!

Alles Liebe,

Claudia



Große Gartenliebe

Ein Kleingarten im Retro-Look

Seit Anfang des letzten Jahres hat die Erste Etage links eine Außenstelle: Wir sind stolze Besitzerinnen eines Kleingartens! Schon lange hatte ich mir einen Garten gewünscht, mein Balkon platzte vor lauter Grünzeug schon aus den Nähten. Doch die Wartelisten in den Kleingartenvereinen sind lang, denn: Kleingärten sind wieder total hip! Vorbei die spießige Vermuftheit, raus mit den Gartenzwergen und rein mit den jungen Familien und kreativen Menschen, die sich auch mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen und gerne in der Erde wühlen. Selbst Gemüse anbauen, den Kindern ein Stück Freiheit und eine kleine, grüne Welt kreieren.

Wir hatten das große Glück, einen Garten übernehmen zu dürfen, der 45 Jahre in einer Hand war. Die Besitzerin wollte den Garten aus Altersgründen abgeben, es fiel ihr sichtlich schwer. Ich versicherte ihr, dass sie jederzeit vorbei kommen könne, um nach „ihrem“ Garten zu schauen.

Und dann war er da, der erste Tag in unserem Garten. Und ich war im Paradies. Meine Großeltern hatten einen großen Bauerngarten mit Gemüse, Früchten und Blumen aller Art. Vermutlich habe ich das Faible für die Natur von ihnen, denn als Kind kannte ich jede Ecke im Garten, jeden Baum und jede Frucht. Ich habe mit meinem Opa Erbsen gepult und Haselnüsse geknackt, zugeschaut, wie er seine Dahlien hegte und pflegte. Er hat mir erklärt, wie man Gemüse anbaut, Möhren, Salat, Bohnen und Gurken. Immer am Ende der Reihe im Beet klemmte ein kleines Schild auf einem Stöckchen, auf dem zu lesen war, was dort wachsen würde.

Ein Haselnußstrauch für Opa

Als ich mit den Fräuleins durch das kleine, grüne Tor in unseren neuen Garten trat, war es so, als wäre Opa auch mit dabei. Ich bin davon überzeugt, daß er lächelnd unsere Entdeckungstour begleitet hat. Die entzückten Schreie der Fräuleins, als sie die Himbeeren entdeckten. Die herrlichen Apfelbäume, die Rosen und den Aprikosenbaum. Wir fanden eine kleine Ecke mit Kräutern, an der linken Seite entdeckte ich Brombeerbüsche. Und links hinten in der Ecke…steht ein Haselnußstrauch.

Nach vielen „Ahhs“ und „Ohhs“ stellten wir uns Stühle in die Sonne und packten unser mitgebrachtes Picknick aus. Die Vorbesitzerin hatte uns den Garten in einem äußerst gepflegten Zustand übergeben. Mit dem Garten haben wir ein kleines Gartenhaus inklusive einem angrenzendem Mini-Schuppen samt Gartengeräten übernommen. Im Gartenhaus war die Zeit stehen geblieben: Dunkelbraun gestrichen mit orangenen Frottee-Handtüchern, Sammeltassen und einem Gasherd, der sicher schon 20 Jahre alt war. Aber alles war tip-top sauber und funktionstüchtig. Im Schrank standen sogar noch Cognac Gläser aus hauchdünnem Glas mit Goldrand!

Neue Aufgaben für den Teilzeit-Hund

In den folgenden Wochen bauten wir die ebenfalls mit übernommene Hollywood-Schaukel auf (Ratet mal, wo der neue Lieblingsplatz der Mädels ist), gruben das Gemüsebeet um und setzen die ersten Plänzchen. Der Teilzeithund war völlig verzückt: Lauter tolle, neue Plätze zum Hinlegen und im Weg-rum-Stehen. Außerdem eine neue Funktion als Gartenwachhund! Das ist schon eine verantwortungsvolle Position.

Die Mädels holten nach anstrengenden, arbeitsreichen Tagen Spagetti-Eis vom Italiener mit dem Gartenfahrrad, sähten und gossen mit Begeisterung und waren dabei, als die ersten Samen aufgingen. Ich besorgte noch eine Hängematte, pflanzte Tomaten und moldawischen Kürbis, den wir von unserer Gartennachbarin geschenkt bekamen. Neben dem Gemüse sähte ich Sommerblumen und Ringelblumen, Sonnenblumen und Fingerhut aus.

Meine Mutter versorgte uns mit selbst gebackenem Kuchen. Und für Opa pflanzte ich Dahlien…

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, einige Gemüsesorten vorzuziehen: Tomaten, Mangold, Zitronengurke und sogar Melonen! Dafür wird sich die Erste Etage links demnächst in eine Aufzuchtstation verwandeln. Im letzten Jahr hatte ich aus Zeitgründen bereits vorgezogene Gemüsepflanzen gekauft.

Das blaue Wunder

Letzte Woche erlebten wir unser blaues Wunder: Da es für Februar ungewöhnlich warm war, packten wir unsere Sachen, um die Obstbäume zu beschneiden und den Garten wieder „in Betrieb zu nehmen“. Als wir vollbepackt am Garten ankamen, trauten wir unseren Augen kaum: Die gesamte Rasenfläche, auf der die Obstbäume stehen, war über und über mit kleinen blauen Krokussen übersät! Was für eine Begrüßung…

Die erste Bienen tanzten von Blüte zu Blüte, hungrig nach dem langen Winter auf der Suche nach Nektar.

Das Gemüsebeet ist umgegraben, die Nistkästen für die Vögel sind gesäubert – jetzt kann es losgehen!

Alles Liebe,

Claudia

Im Gespräch mit: Mila Plaickner – Künstlerin

Kreativität bestimmt einen Großteil meines Lebens. Ich habe ständig neue Ideen, kann mich für Dinge begeistern und versuche, vieles davon in meinem Leben umzusetzen. Das gelingt mir mal besser und mal schlechter. An manchen Tagen klappt das gar nicht, an anderen wieder total super. Das drückt sich aus im Fotografieren und Blog schreiben oder im Schmuck herstellen. Neuerdings spiele ich gerne Impro-Theater, das macht sowas von Spaß!

Dekorieren, recyclen, umbauen, sich was ausdenken… alles meins. Wir haben hier in der Ersten Etage links einen riesigen Schrank voll mit Bastelmaterialien, Farben und Werkzeugen – quasi eine Inhouse-Kreativwerkstatt.

Eine Freundin brachte es mal auf den Punkt: „Claudi, Du machst aus der letzten Gerümpelkammer noch eine Wohlfühloase!“ Wer will denn eigentlich unschön wohnen? Ich mache es mir gerne hübsch und gemütlich – es überrascht mich immer wieder, wie kühl und zweckmäßig manche Menschen wohnen.

Mein Einrichtungsstil ist kreativ

Bei mir ist es bunt! Meine Lieblingsfarbe ist rot, und das harmoniert wunderbar mit weiß, schwarz und verschiedenen Holztönen. Warum also nicht rote Schränke haben? An den Wänden hängen neben Fotografien, Postkarten und Postern viele Leinwände in allen Größen und Farben. Entstanden sind sie in den Mal-Kursen mit der Künstlerin Mila Plaicker. Mila ist eine unfassbar kreative und inspirierende Persönlichkeit.

Uns verbindet eine langjährige Freundschaft, und ich freue mich sehr, dass Mila meine heutige Interviewpartnerin ist. Dazu darf ich einige ihrer Werke zeigen.

EEL: Liebe Mila, was inspiriert Dich?

Mich inspiriert das Leben, die Menschen, die Beziehungen dazwischen – sozusagen die Momentaufnahmen.

EEL: Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

Figurativ und expressiv – impressiv mit einem Hang zur Abstraktion.

EEL: Wo hast Du malen gelernt und welcher Dozent*in oder Lehrer*in hat
Dich am meisten beeindruckt?

Das „Malen gelernt“ habe ich am ehesten in der Schule. Das war damals noch in Kroation, da ist es einem Lehrer aufgefallen, dass ich anscheinend Talent habe. Mich beeindrucken auch sehr viele Künstler: von den alten Meister* innen sind es Rembrandt, John Singer Sargent, Picasso, Egon Schiele, Frida Kahlo, Paula Modersohn-Becker und Gabriele Münter. Bei den zeitgenössischen Maler*innen kann ich Alex Kanevsky, Ruprecht von Kaufmann, Jonas Burgert, Cecily Brown und Jenny Sville nennen.

EEL: Du lebst von Deiner Kunst. Mit welchen Schwierigkeiten mußt Du da manchmal kämpfen?

… dass es oft auch nur ein „Geschäft“ ist.

EEL: Ist Kunst im digitalen Zeitalter noch zeitgemäß?

Selbstverständlich. Es dreht sich immer alles um die Kunst. Die bildende Kunst ist nicht nur für die Augen schön anzusehen – sie hat ein Eigenleben.

EEL: Mich beeindrucken besonders Deine großformatigen Bilder. Wonach
wählst Du die Größe der Leinwände und die Farben aus?

Themen und Visionen sind für mich sehr wichtig. Da entsteht dann auch die Wahl der Farben (z.B. kühl-distanziert oder warm-intensiv). Und die Liebe zur großen Leinwand ist einfach da. Es ist für mich befreiender, auf großen Leinwänden zu malen als auf kleineren.

EEL: Was machst Du, wenn Du mal keinen Pinsel in der Hand hast oder Dich entspannen möchtest?

Ich mache Sport – für die Anspannung, um danach zu entspannen. Einfach draußen zu sein und die Natur zu genießen, ist mir sehr wichtig. Dabei kann ich gut meinen Geist klären und meine Gedanken ordnen.

EEL: Ich frage mich manchmal, ob jeder kreativ sein kann. Steckt in jedem
Mensch eine Künstler*in?

Auf die eine oder andere Weise schon. Ich glaube, dass nicht jeder malen kann oder sollte. Aber es gibt auch die Musik, das Werken und das Basteln. Inwieweit man das Wort „Künstler*in“ dafür verwendet, kann ich nicht sagen. Ich denke, kreativ zu sein ist eine Art von „Kunst“.

EEL: Deine Arbeiten beschränken sich nicht nur auf die Malerei. Was
gestaltest Du noch?

Vor der Malerei kommt zuerst die Zeichnung. Ich zeichne viel und gerne. Gelegentlich arbeite ich auch mit Ton. Dabei interessieren mich Figuren und Köpfe sehr. Ansonsten probiere ich sehr gerne andere Techniken aus: Aus Eisen habe ich Figuren geschweißt und aus Pappmache Skulpturen gefertigt.

EEL: Ich hatte das Glück und die Freude, eine Zeit lang Deine Schülerin
gewesen zu sein. Kann man Kurse bei Dir besuchen?

Ich bin seit 25 Jahren Dozentin. Einige Jahre habe ich im eigenen Atelier unterrichtet, da warst du ja dabei. Seit etwa sechs Jahren unterrichte ich an unterschiedlichen Kunst-Akademien in Österreich und Deutschland. Auf meiner Webseite findet man alle aktuellen Kurstermine.

EEL: Hast Du eine Ausstellung geplant und wenn ja, wann wird diese
stattfinden?

Ich versuche jedes Jahr ein bis zwei Ausstellungen zu machen. Zur Zeit plane ich in Feldkirch (Vorarlberg) eine Ausstellung bei einer Messe, diese ist im April 2019. Auch für September 2019 ist eine Ausstellung geplant.

EEL: Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Viel Zeit für meine Malerei 🙂

EEL: Liebe Mila, vielen Dank für das Interwiev!

Weitere Infos zu Mila findet Ihr hier

Bildquelle: Mila Plaickner

Warum ich laufen muß

Mein Atem geht regelmäßig, meine Füße machen einen Schritt nach dem nächsten. Ich spüre die frische Luft im Gesicht, es ist früh am Morgen. Die Sonne geht gerade auf, und kleine Äste knacken unter meinen Schuhen. Obwohl es erst Februar ist, sind die Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Die ersten Vögel sind schon wach. Es duftet nach Erde und nach Wald. Ich liebe es, früh morgens unterwegs zu sein – am Liebsten laufend.

Laufen erdet mich, bringt mich runter, macht mich zufrieden. Dabei stelle ich keine Rekorde auf, trage keinen Schrittzähler oder einen Pulsmesser. Ich verfolge kein Trainingsziel. Ich laufe um des Laufens willen. Einfach, weil es Spaß macht. Am liebsten bin ich im Wald unterwegs, aber auch gerne auf Feldwegen. Manchmal trabe ich langsam, manchmal fliege ich förmlich. Gelegentlich renne ich auch mal wie bekloppt kurze Strecken. Solange, bis die Lunge brennt und ich spüre, wie mir der Schweiß ausbricht.

Der Mensch ist zum Laufen geboren. Nur leider haben das viele Menschen verdrängt. Wir fahren mit dem Auto zum nächsten Supermarkt, obwohl der nur 300 m entfernt ist. Unsere Kinder werden gerne direkt vor die Schule gefahren, obwohl sie den Weg zu Fuß gehen könnten. Viele von uns sitzen acht Stunden und länger in Büros. Dafür, dass wir so viel Sitzen, essen wir zuviel. Was sich die frühe Menschheit erlaufen und erjagen mußte, wird uns heute in Plastik eingeschweißt als Billigprodukt im Discounter nachgeworfen.

Die Folgen sind bekannt: Herzinfakt, Übergewicht, Diabetes, Schlaganfall, Demenz und Co. lassen grüßen. Ich will mich da gar nicht ausnehmen. In meinen besten Bürozeiten bis vor zwei Jahren hatte ich mal flott 10 kg mehr auf den Rippen. Das ging so schleichend, ich habe das gar nicht wirklich wahr genommen. Dazu noch Stress und notorisch keine Zeit, schon gar nicht für mich selbst – der Klassiker.

Ich wußte, das dass nicht gut für mich war.

Nur was tun? Sich abends nach der Arbeit zum Sport aufraffen – und welcher sollte es sein? Fürs Fitness-Studio bin ich einfach nicht der Typ, weil ich lieber draussen an der frischen Luft bin. Schwimmen ist auch nicht so meins. Also: Laufen. Anfangs war es eher ein Spazieren, so eine Art schnell gehen. Dann bin ich abwechselnd kurze Strecken gelaufen und dann wieder gegangen. Schließlich konnte ich 5 km am Stück gut durchlaufen, und dabei bleibe ich meistens auch.

Eine Zeitlang hatte ich mich auch einem Verein angeschlossen, aber das leistungsorientierte Laufen hat meine Knochen und Sehnen so belastet, dass ich ein halbes Jahr gar nicht mehr laufen konnte. Also habe ich mich dort ausgeklinkt und laufe jetzt wie und wann ich will.

Das Praktische daran ist: Ich brauche nur meine Laufschuhe und die Trainingsklamotten, das kann ich überall mit hinnehmen. Zudem bin ich an keine Öffnungszeit gebunden. Der Wald hat immer geöffnet:-)

Eine Zeitlang bin ich mal morgens um 4 Uhr vor der Arbeit gelaufen. Bei jedem Wetter. Das war eine tolle Erfahrung! Aber nachmittags wurde ich dann sehr schnell ziemlich müde, das ging auf die Dauer nicht gut. Jetzt laufe ich abends oder am Wochenende.

Kombiniert mit Intervallfasten verschwanden die 10 kg wieder im Übergewichtsnirwana.

Beim Laufen kann man auch wunderbar nachdenken, Dinge wegdenken oder kreative Ideen kommen lassen. Manchmal denke ich mich durch die ganze Runde und nehme die Umgebung nicht so bewußt wahr. An anderen Tagen sehe ich jeden Baum, jede Spur und jeden Stein auf dem Weg und höre jedes Geräusch. Daher laufe ich auch ohne Musik, ich möchte lieber die Natur um mich herum wahrnehmen.

Müll fällt mir übrings jedes Mal auf!

Was ist Eure Sportart? Lauft Ihr schon oder sitzt Ihr noch?

Alles Liebe,

Claudia